Beim gut besuchten Online-Vortrag von Guido Hartmann (FSG Datteln Bork e.V.) stand die Frage im Mittelpunkt, wie traditionelle Rituale im Luftsport zeitgemäß weiterentwickelt werden können. Am Beispiel des ersten Alleinflugs wurde deutlich, wie wichtig Bräuche für Gemeinschaft und Identität sind – gleichzeitig aber auch, dass sie im Kontext von Gewaltprävention und Kinderschutz kritisch hinterfragt werden müssen.
Der Vortrag bot einen spannenden Überblick über internationale Fliegerrituale, beleuchtete rechtliche und persönliche Aspekte und zeigte konkrete Wege auf, Tradition und moderne Schutzstandards zu verbinden.
In der anschließenden Diskussion wurde insbesondere das „Hinternversohlen“ kontrovers bewertet. Während einige es als harmlosen Klaps sehen, forderten andere eine konsequente Ablösung durch zeitgemäße Alternativen, um möglichen Druck auf Flugschüler zu vermeiden. Genannt wurden u. a. symbolische Auszeichnungen, digitale Erinnerungen oder gemeinschaftliche Aktionen. Einigkeit bestand darin, Flugschüler aktiv in die Gestaltung ihrer Feier einzubeziehen.
Ideen zu physischen Andenken:
- Blumenstrauß, Anstecknadel mit Schwinge
- „Wir haben eine Plakette mit einer Schwinge drauf, die rückseitig unterschrieben werden kann. Diese wird dann den Tag über getragen.“
- Urkunde des DAeC zur A-Prüfung
(Download unter https://www.daec.de/media/files/2020/Sportarten/Segelflug/Ausbildung/Urkunde_A-Pruefung.pdf)
Digitale Erinnerungen:
- Foto und Glückwunsch in der Threema Gruppe
- „Bei uns gibt es aus den gemachten Bildern ein Video mit der Lieblingsmusik des Schülers als Erinnerung für die Zukunft und ein Foto auf die Homepage.“
Gemeinschaftliche Aktionen:
- „High Five“ im Rundlauf, auf den Schultern tragen, oder von den Kameraden in einer "Sänfte" getragen eine symbolische "Platzrunde" fliegen
- Einen "Federmantel" anfertigen und dem A-Schüler umhängen
- Und das „Hinternversohlen“ ist kein Versohlen sondern ein kleiner Klaps
Wichtig ist, dass diese Alternativen offen angenommen und auch wirklich respektiert werden.
Mit insgesamt 90 Teilnehmenden – soweit aus den Namensangaben erkennbar mindestens 30 % Frauen und mindestens 58 % Männer – war dies unser bisher erfolgreichster LeanCoffee und ein starkes Signal für das Interesse an einer zukunftsfähigen Vereinskultur.
Die Folien des Vortrags können hier angeschaut werden.
