Offene Deutsche Meisterschaft im Air Navigation Race in Gotha

Vom 03.09. bis zum 06.09.2026 kamen in Gotha Navigationsflugbegeisterte aller Erfahrungs- und Altersgruppen zusammen. Mitmachen konnte grundsätzlich jeder, der ein geeignetes motorisiertes Flugzeug mitbrachte, egal ob Motor- bzw. Ultraleichtflugzeug oder Motorsegler. 11 Crews fanden so den Weg nach Thüringen.

Was genau macht man eigentlich beim Air Navigation Race?

Ihr fliegt zu zweit durch einen vorgegebenen 0,2–0,5 NM engen, virtuellen Luftkorridor, den ihr weder verlassen noch zu früh oder zu spät passieren dürft. Die Route ist kurz, die Wendepunkte nah beieinander und die Zeittoleranz eng. Jeder Fehler wird in eurem GPS-Logger erfasst, und ihr bekommt euer Ergebnis direkt nach der Landung. Transparent, direkt, messbar. 

Was ANR so besonders macht? Es ist kompakt, intensiv und erfordert vollen Fokus auf die Navigation nach Papierkarte, aber ohne komplizierte Vorbereitung. Kein langes Briefing, keine Fotoaufgaben, kein Papierkrieg. Ihr braucht nur Grundkenntnisse in der terrestrischen Koppelnavigation, eine ordentliche Portion Konzentration und ein gutes Händchen für euer Flugzeug.

Alle können mitmachen

Das offene Konzept der Deutschen Meisterschaft sieht vor, dass Crews aus ganz unterschiedlichen Erfahrungsstufen und mit einer Vielzahl von Flugzeugen teilnehmen können. Daher wird die Offene Deutsche Meisterschaft einerseits ohne vorherige Qualifikation ausgeführt und andererseits in drei verschiedenen Kategorien ausgeübt:

  • Newcomer: Erstmals bei einer Deutschen Meisterschaft dabei und mit nur wenig Navigationsflugerfahrung

  • Advanced: Die schon etwas Geübteren mit einschlägiger Wettbewerbserfahrung

  • Unlimited: Die „Profis“ und Teilnehmende an internationalen Wettbewerben

Für die „Newcomer“ und „Advanced“ gibt es üblicherweise Erleichterungen bei den Aufgabenstellungen sowie mehr Zeit zur Vorbereitung. Crews, die ganz frisch dabei sind, bekommen meist auch noch einmal individuelle Hilfestellungen. Schließlich stehen der Spaß und die Flugsicherheit an oberster Stelle.

Windige Bedingungen in Gotha

Im Laufe des Tages trafen am Donnerstag nach und nach alle Teilnehmenden und Helfer*innen ein. Die Vereinsmitglieder des Aero-Club Gotha e.V. sorgten mit ihrer offenen und herzlichen Art dafür, dass sich jeder schnell zu Hause fühlte. Einige der Gäste kannten sich bereits aus früheren Wettbewerben.

Für Langschläfer begann der Freitag jedoch „tragisch“. Das Briefing wurde tags zuvor um eine Stunde nach vorn verschoben und startete bereits um 9 Uhr. Gegen 10 Uhr bekamen die ersten Crews die Route und konnten mit der Flugplanung beginnen. Dafür hat jedes Team 30 Minuten Zeit. Im Anschluss muss innerhalb von 15 Minuten gestartet werden. 

Wettbewerbsleiter Maurice Ducret ging auch im Briefing noch einmal darauf ein, dass niemand verpflichtet sei zu starten. Bei sehr windigen Bedingungen entschieden sich die diesjährigen Newcomer Carla Peters und Wiebke de Boer am ersten Wertungstag gegen den Start und für einen Ausflug in die Gothaer Innenstadt. Carla war schon einmal als Navigatorin dabei, diesmal jedoch erstmals als Pilotin. „Eine Entscheidung, die richtige Charakterstärke zeigt“, wie Ralf Grunwald, Hauptschiedsrichter und stellvertretender Vorsitzender der Bundeskommission Motorflug betont. Während sich Carla auf die sichere Steuerung des Flugzeugs auf dem vorgegebenen Kurs konzentriert, unterstützt Wiebke als Navigatorin beim Navigieren und behält die geplanten Kurse im Blick, die geflogen werden müssen.

Am Samstag, dem zweiten Wettbewerbstag, ging es auch für sie in die Luft. Ohne Druck und Angst können sich auch Newcomer so sicher an den Wettbewerb rantasten. 

Hinsichtlich des Flugzeugs gibt es keine Einschränkungen, solange es propellergetrieben ist und minimal 60 Knoten fliegen kann. Daher sind Motorflugzeuge, aerodynamisch gesteuerte Ultraleichtflugzeuge sowie Motorsegler gerne gesehen.

Im Grunde sind die Aufgabe der Crew und die Auswertung relativ einfach. Solange man sich innerhalb des Korridors befindet, gibt es keine Strafpunkte. Der GPS-Logger zeichnet den gesamten Flug auf, ohne dass die Crew den geflogenen Track sieht; elektronische Hilfsmittel zur Navigation sind hier verboten. Fliegt man länger als fünf Sekunden außerhalb des Korridors, bekommt man pro zusätzlicher Sekunde 3 Strafpunkte. Damit man nicht durch den Korridor trödelt, gibt es vorgegebene Start- und Endzeitpunkte. Hier wird an einer exakten Position (beispielsweise an einer Straßenkreuzung) die Zeit gemessen und mit dem sekundengenauen Sollwert verglichen. Zwei Sekunden Toleranz gibt es dabei; wer früher oder zu spät ankommt, erhält ebenfalls wieder Strafpunkte.

Für den Navigationsflug ist es üblich, dass auch die Landung einer Wertung unterzogen wird. Ziel bei der Präzisionslandung ist es, im weiß markierten drei Meter großen Feld mit dem Hauptfahrwerk aufzukommen, was bei den windigen Bedingungen der Meisterschaft gar nicht so leicht war. Einige Teams schafften es trotzdem mehrmals. Unten bei den Ergebnissen seht ihr, wer in der Kategorie Landung am besten abschnitt. Hier erkennt ihr auch, wie viele Strafpunkte jede Crew pro Durchgang erhielt.

Nachdem am Freitag die zweite von insgesamt drei Landungen aufgrund zu starker Winde abgebrochen und nicht gewertet wurde, war der Samstag wettertechnisch freundlicher und es wurden zwei Routen inkl. Präzisionslandungen durchgeführt. So hatten auch die Teilnehmenden nach der letzten Landung noch genügend Zeit, in Ruhe ihre Flugzeuge für den Heimflug vorzubereiten. 

Die Meisterschaft blieb bis zum Schluss spannend. Durch die immer enger werdenden Korridorbreiten wachsen sowohl die Herausforderung als auch die Wahrscheinlichkeit, außerhalb des Korridors zu fliegen. Auch die Routen selbst wurden immer kniffliger und beinhalteten zum Schluss sogar zu fliegende Kreisbögen über dem Thüringischen Wald, teilweise mit Korridorbreiten von 0,25 NM. Das Kopf-an-Kopf-Rennen der erstplatzierten Crews wurde so sprichwörtlich auf den letzten Metern entschieden.

 

 

Ergebnisse

Robert Deppe und Carla Moses gewannen in der Kategorie Unlimited gefolgt von Oliver Meindl und Marco Frenzel. Maximilian und Gregor Przybylla belegten in dieser Kategorie den dritten Platz. In der Kategorie „Advanced“ gewannen Eilif Monrad-Krohn und Thomas Kirchner. Gefolgt von Vladimír Anderák und Kay Larbig. Den dritten Platz belegten Jörg Schönfels und Daniel Breithaupt. Der Sieg der Landewertung ging auch mit knappen Vorsprung an Robert Deppe und Carla Moses, ebenfalls gefolgt von Oliver Meindl und Marco Frenzel. 

DM ANR 2026 Endergebnis-Unlimited

DM ANR 2026 Endergebnis-Advanced

DM ANR 2026 Endergebnis-Landungen

Abflug nach Hause

Nach einem letzten gemeinsamen (sehr leckeren) Abendessen am Samstag ging es mit tollen Erfahrungen, Taschen voller Preise und Geschenke und gut gesättigt für einen Teil bereits nach Hause. Manche nutzen auch noch den Sonntag für eine zusätzliche Runde Air Navigation Race, bevor sie den Heimweg antreten. Die deutsche Meisterschaft war für die Bundeskommission Motorflug und die Wettbewerbsleitung zugleich eine Vorbereitung auf die WM im kommenden Jahr. Vom 23.08. bis 04.09.2027 findet in Zwickau die 4. FAI World Air Navigation Race Championship statt. Dort werden ca. 40 Crews aus der ganzen Welt antreten und um den Weltmeistertitel im Air Navigation Race kämpfen. Die Vorbereitungen laufen bereits auf Hochtouren und der DAeC freut sich bereits auf dieses besondere Highlight im Motorflugsport.

Auch mal Lust auf Navigationsflug? Unter navigationsflug.de teilt die Bundeskommission Motorflug alle wichtigen Infos zu Wettbewerben, Förderungen und sonstigen Veranstaltungen. Die Bundeskommission Motorflug fördert nämlich fortlaufend gezielt Jugendcrews. Hierauf können sich alle bis 27 Jahre bewerben. Dafür reichen ein Motivationsschreiben und ein Lebenslauf aus. Alle Infos findet ihr hier: Förderungen – Deutscher Navigationsflug.