Das erste Mal Wettbewerb? Einfach mal mitmachen! Wie aus Neugier echte Begeisterung wurde

Als Thomas Ryba erstmals über einen Termin zur Deutschen Meisterschaft im Ultraleichtfliegen stolperte, war vor allem eines da: Neugier.

„Man hört eigentlich viel zu wenig davon“, beschreibt er heute seinen ersten Eindruck. Bei seiner Recherche fand er zwar Platzierungen und Ergebnislisten – jedoch kaum Informationen darüber, wie die Meisterschaft tatsächlich abläuft oder was Teilnehmer dort erwartet. Also fragte er in seinen WhatsApp-Gruppen nach. Besonders in seiner Trike-Community fanden sich schnell ehemalige Teilnehmer, die ihm Mut machten: „Mach doch einfach mal mit.“

Doch mit der ersten Begeisterung kamen auch viele Fragen:

 Wie bereitet man sich darauf vor? Was erwartet einen dort wirklich? Und reicht das eigene Können überhaupt aus?

Genau diese Unsicherheit kennen viele Pilotinnen und Piloten, die erstmals mit dem Gedanken spielen, an einem Wettbewerb teilzunehmen. Trotzdem entschied sich Thomas schließlich bewusst dafür, den Schritt zu wagen – und einfach mitzumachen.

Erwartungen, Unsicherheiten und erste Überraschungen

Seine Erwartungen an die Meisterschaft waren zunächst eher vage. Von den eigentlichen Wettbewerbsaufgaben hatte Thomas vor der Teilnahme kaum konkrete Vorstellungen. Aus seinem Umfeld bekam er vor allem einen Rat mit auf den Weg: „Übe einfach, nach Karte zu fliegen.“

Zunächst klang das für ihn machbar. Doch im Wettbewerb zeigte sich schnell, dass zwischen normaler Navigation im Alltag und präziser Wettbewerbsnavigation ein deutlicher Unterschied liegt.

Besonders überrascht hat ihn der Wechsel auf die spezielle Wettbewerbskarte im Maßstab 1:200.000.

„Ich dachte eigentlich, damit komme ich gut klar – aber das ging dann komplett in die Hose“, erzählt er heute offen und mit einem Schmunzeln.

Gerade dieser Perspektivwechsel habe ihm deutlich gemacht, wie anspruchsvoll präzise Navigation unter Wettbewerbsbedingungen tatsächlich sein kann.

Rückblickend hätte er sich gerne noch intensiver vorbereitet – insbesondere durch eine frühere Anreise. Wetterbedingt war das damals jedoch nicht möglich. Eigentlich hatte Thomas geplant, das Wettbewerbsgebiet bereits vorab ein wenig zu erkunden und sich fliegerisch mit der Umgebung vertraut zu machen.

„Das beste Sicherheitstraining, das ich je erlebt habe“

Auf die Frage, was ihm die Deutsche Meisterschaft persönlich gebracht habe, muss Thomas nicht lange überlegen.

„Für mich war das wahrscheinlich das beste Sicherheitstraining, das ich bisher erlebt habe.“

Gerade die Kombination aus Wettbewerb und realen fliegerischen Herausforderungen habe bei ihm einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Denn auch wenn der sportliche Gedanke im Vordergrund steht, gehe es letztlich um viel mehr als Platzierungen.

„Ein Wettbewerb legt einfach nochmal eine Schippe drauf“, beschreibt er seine Erfahrungen. Man bewege sich intensiver innerhalb der eigenen Komfortzone, hinterfrage Entscheidungen bewusster und lerne sehr schnell, wo die eigenen Grenzen liegen – aber eben auch, was tatsächlich möglich ist.

Besonders wertvoll waren für ihn dabei nicht nur die Flugaufgaben selbst, sondern auch die Gemeinschaft unter den Teilnehmern. Die Gespräche am Abend nach den Wettbewerbstagen, das gemeinsame Analysieren der Aufgaben und der offene Austausch unter den Pilotinnen und Piloten seien für ihn „Gold wert“ gewesen.

„Da kann man unglaublich viel mitnehmen.“

Gerade dieser kameradschaftliche Austausch sei ein wesentlicher Bestandteil der Meisterschaft und trage entscheidend dazu bei, dass Erfahrungen, Fehler und Erkenntnisse direkt weitergegeben werden.

Vorbildliche Organisation – aber auch Potenzial für Einsteiger

Seine Erwartungen an die Veranstaltung selbst wurden hingegen klar erfüllt – in vielen Bereichen sogar übertroffen. Besonders die Organisation vor Ort sei ihm positiv in Erinnerung geblieben.

Für ihn sei deutlich spürbar gewesen, dass die beteiligten Vereine und Helfer eng zusammengearbeitet hätten und „Hand in Hand“ arbeiteten, damit die Meisterschaft professionell und unkompliziert ablaufen konnte.

Einen Punkt sieht er jedoch als wichtigen Ansatz für zukünftige Teilnehmer: Die Frage, wie man sich konkret vorbereiten kann, sei für Einsteiger im Vorfeld nur schwer einzuschätzen.

„Was genau soll ich eigentlich trainieren?“ – diese Unsicherheit habe ihn vor der Meisterschaft lange begleitet.

Sein Vorschlag: Bereits absolvierte Wettbewerbsaufgaben oder Beispielaufgaben könnten veröffentlicht werden, damit neue Teilnehmer ein besseres Gefühl dafür bekommen, was sie erwartet und gezielter trainieren können.

Gerade für Einsteiger könne dies helfen, Hemmschwellen abzubauen und den Zugang zum Wettbewerb deutlich einfacher zu machen.

Die wichtigste Erfahrung: Sicherheit vor Ehrgeiz

Sein persönlich schönstes Erlebnis bei der Deutschen Meisterschaft 2025 in Borkenberge hatte allerdings nichts mit einer Platzierung zu tun. Im Gegenteil.

Bei einer der Aufgaben entschied sich Thomas bewusst gegen den Start. Die Wetterbedingungen und insbesondere der Wind erschienen ihm für sein Fluggerät in diesem Moment nicht passend. Eine Entscheidung, die im sportlichen Umfeld nicht immer leichtfällt.

Umso größer war seine Überraschung, als genau diese Entscheidung später besonders positiv hervorgehoben wurde. Für seinen verantwortungsvollen Umgang mit der Situation erhielt er schließlich den Pokal „Pilot des Tages“.

„Damit hätte ich überhaupt nicht gerechnet“, erzählt er rückblickend.

Besonders beeindruckt habe ihn dabei die Haltung innerhalb der Meisterschaft: Nicht der Gedanke „Warum bist du nicht gestartet?“ habe im Vordergrund gestanden – sondern vielmehr die Anerkennung dafür, die eigenen Grenzen richtig eingeschätzt und eine bewusste Sicherheitsentscheidung getroffen zu haben. „Das fand ich wirklich großartig.“

Gerade dieser Moment habe ihm gezeigt, worum es bei der Deutschen Meisterschaft im Ultraleichtfliegen tatsächlich gehe: Nicht um blindes Risiko oder maximalen Ehrgeiz um jeden Preis, sondern um fliegerische Verantwortung, saubere Entscheidungen und den sicheren Umgang mit den eigenen Möglichkeiten und Grenzen.

Vom Segelflugplatz bis zur Deutschen Meisterschaft

Der Weg in die Luft begann bei Thomas ganz klassisch: Mit 14 Jahren zog es ihn an den Segelflugplatz. Dort machte er erste fliegerische Erfahrungen und war bis etwa zum 16. oder 17. Lebensjahr aktiv im Segelflug unterwegs.

Dann kam – wie bei vielen – das Leben dazwischen: Bundeswehr, Beruf, Familie. Das Vereinsleben und die Fliegerei rückten Schritt für Schritt in den Hintergrund.

Ganz losgelassen hat ihn die Luftfahrt jedoch nie.

„Wenn man einmal geflogen ist, schaut man eigentlich immer nach oben“, sagt er heute.

Später entdeckte er das Gleitschirmfliegen für sich, bevor ihn schließlich der Weg zum Trikefliegen führte. Eine prägende Rolle spielte dabei sein Fluglehrer Sascha Nölle.

Mit einem Schmunzeln beschreibt Thomas seinen Einstieg in die Trikewelt so: „Erst bin ich mit dem Helm hängen geblieben – und dann mit dem Herzen.“

2023 absolvierte er schließlich selbst die Ausbildung zum Trike-Fluglehrer.

Die Teilnahme an der Deutschen Meisterschaft bedeutete für ihn dabei weit mehr als nur einen Wettbewerb. Sie war bewusst ein Schritt heraus aus dem Alltag – „ein richtiger Ausbruch aus dem Hamsterrad“, wie er es selbst beschreibt.

Gerade deshalb war die Meisterschaft für ihn etwas Besonderes: Nicht nur fliegen, sondern sich bewusst neuen Herausforderungen stellen, sich weiterentwickeln und die eigene Komfortzone verlassen.

Infos Deutsche Meisterschaft 2026:

26. Juli 2026 Anmeldeschluss

31. Juli 2026 Spätester Eingang der Meldegebühr 

20. August 2026 Beginn UL-DM 2026 

23. August 2026 Ende der UL-DM 2026 

Infos und Anmeldung: