Für viele Piloten geht Fliegen weit über ein Hobby hinaus. Das konnten auch die 15 Teams bei der Deutschen Meisterschaft im Ultraleichtfliegen unter Beweis stellen. Die Meisterschaft fand vom 11. bis zum 14. September am Flugplatz Borkenberge statt.
Das Team um den Wettbewerbsleiter Michael Kania blickte jedoch zuvor besorgt auf die Wetterlage. Monatelange Planungen und Vorbereitungen hätten umsonst sein können, wenn das Wetter nicht mitspielt. Ein Dutzend Navigationsaufgaben waren ausgearbeitet, geprüft, beschrieben und gedruckt. Drei oder vier dieser Aufgaben werden dann während der UL-DM tatsächlich geflogen. Am Donnerstagmorgen zur Eröffnungsfeier waren alle Teams angekommen. Dank der guten Organisation durch die Borkenberge-Gesellschaft, konnten sich alle Teams schnell einrichten. Zur Eröffnungsfeier fanden sich die Bürgermeister der umliegenden Städte sowie der Landrat des Kreises Coesfeld ein, die mit ihren Eröffnungsreden einen schönen, teils amüsanten Bogen über ihre Orte und die Umgebung bis hin zum Flugplatz schlugen. Nicht zuletzt nahm Ludger Wilde, Vorsitzender der Borkenberge Gesellschafft e.V. die Gelegenheit wahr die Teilnehmer sowie das Team der UL-DM zu begrüßen. Insbesondere galt sein Dank den beiden Vereinen LSC-Recklinghausen und LSV-Dülmen, die mit Leidenschaft und Engagement einen fantastischen Rahmen für die Meisterschaft geschaffen haben. Dr. Christian Pellengahr, Landrat des Kreises Coesfeld eröffnete die Meisterschaft, anschließend wurde die Nationalhymne gespielt.
Wettbewerbsleiter Michael Kania überraschte mit der Ankündigung, die Verantwortung der Organisation der UL-DM nun in andere Hände geben zu wollen. Im Jahre 2011 startete seine Karriere als Organisator der Meisterschaft in Borkenberge und hier möchte er diese Tür nun auch wieder schließen. Dennoch werden er und sein kleines Team einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin gerne 2026 noch unterstützen, um einen sanften Übergang sicher zu stellen. Die Wetterbedingungen waren nach wie vor schwierig, der Wind blies stark böig aus SSW auf die Piste 25. Der Wettbewerbsleiter entschied, am Nachmittag zunächst eine Ziellandeaufgabe zu fliegen. Eva Kania hatte die Schiedsrichter einzuweisen, an jeder Linie musste mindestens ein Schiedsrichter den Aufsetzpunkt der Hauptfahrwerkes beurteilen und melden. Die Ziellandeaufgabe war, obwohl das Triebwerk zur Steuerung des Gleitwinkels genutzt werden durfte, nicht von allen Teilnehmern einfach zu lösen. Dennoch schafften es sowohl manche Trikes, Dreiachser und Tragschrauber in die ersten 25m des 125m langen Ziellandefeldes und konnten die ersten 100 bis 250 Punkte für sich verbuchen. Wer es schaffte, im 125m Landefeld auch noch zum Stehen zu kommen, erntete keine Strafpunkte für das Überrollen der 125m Linie. Das Ergebnis wurde von Detlef Oltmanns am Ende des Landefeldes mit grüner oder roter Flagge mitgeteilt. Zum späten Nachmittag ließ der Wind zwar kaum nach und es zogen immer mal wieder Schauer durch, dennoch plante Michael eine kurze Navigationsaufgabe fliegen zu lassen. Mit allen verfügbaren Wetterinformationen und dem umfangreichen Erfahrungsschatz des Wettbewerbsleiters wurde das bestmögliche Startfenster festgelegt. Die Aufgabe mit dem Namen Herz war ein Flug in Herzform über gut 50 km mit 47, teils unsichtbaren, nicht auf der Karte verzeichneten Toren, sowie 2 Geschwindigkeitsmessungen der Groundspeed, welche vor dem Flug angegeben werden musste. Zunächst aber wurde die Aufgabe im Briefing erklärt, die Dokumente und die Karten an die Teams ausgegeben. Die Karten im Maßstab 1:200000 enthielten die Kurslinie sowie die Sichtbaren Tore und Wendepunkte. Fotos der Wendepunkte wurden ebenso ausgegeben wie eine Übersicht der benachbarten Lufträume. Nach der Flugvorbereitung gingen alle Teams an den Start und wurden im Abstand von vier Minuten auf den Flug geschickt. Rückkehrer konnten, während die letzten Teams noch auf ihren Start warteten, landen und zur Quarantäne rollen. Dort wurden die Logger von Michaela Oltmanns und Jasmin Densborn in Empfang genommen und von den Auswertern Eva Kania und Robert Mair sofort ausgelesen ausgewertet. Alle Teams konnten bei dieser Aufgabe Punkte verzeichnen, wenngleich neben der Aufgabe selbst die Wetterbedingungen eine echte Herausforderung waren.
Am zweiten Wettbewerbstag konnte gegen Mittag die Aufgabe Double-Circle geflogen werden. Im Abstand von fünf Minuten starteten die Teams zu einer kombinierten Navigations-und Präzisionsaufgabe. Ziel der Aufgabe war es, zunächst den Einflug- und Mittelpunkt für den Circle (Vollkreis um ein Bodenmerkmal) zu überfliegen, um dann einen möglichst sauberen Kreis in definierten Grenzen wie Radius und Höhenabweichung zu fliegen. Danach folgte ein kurzer Navigationsflug zum zweiten Circle, der im Gegensatz zum ersten rechtsherum geflogen werden musste. Trotz des spürbaren Windes waren die Ergebnisse besser als erwartet. Die zweite Navigationsaufgabe des Tages nannte sich wegen ihrer Form Klammer. Sie beinhaltete neben der Navigation nach 1:200000 Karte die Messung der Geschwindigkeit über Grund und die Suche von 8 Bildern, die auf der Karte Millimetergenau markiert werden mussten. Die Bilder wurden bereits am Mittwoch von Eva Kania aus der C42 des LSC-Recklinghausen, bei ausgebauter rechter Tür heraus fotografiert, während Michael den Aufgabenkurs metergenau abflog. Um die Verfolgung über diverse Apps, der bis dahin geheimen Route zu verhindern, erfolgte der Flug nur über kurze Abschnitte dem tatsächlichen Kurs der Aufgabe. Zudem verhinderte die Wolkenuntergrenze zum Teil den Überflug von Windparks, von denen es im Münsterland nicht wenige gibt. Kein Team hat am Ende alle Bilder gefunden, dennoch konnte sich die Ausbeute sehen lassen. Das war ein anstrengender Tag, hieß es aus generell aus den Teams. Wir haben viel gelernt, oder wird sind an unsere Grenzen gekommen, ließen uns andere Teilnehmer wissen.
Der Samstag begann wieder mit windigem Schauerwetter, wodurch das erste Briefing eine Stunde nach hinten verschoben wurde. Der spürbare Wind drehte am Vormittag auf südliche Richtungen, so dass wir auf der Piste 25 mäßigen Seitenwind erwarten konnten. Genau das richtige Wetter für den so genannten Short, der Kurzstart über ein Hindernis. Das Hindernis bestand aus einem Flatterband, das in einem Meter Höhe über die Piste gespannt wurde. Es wurde mehrfach angeschnitten, damit es bei der kleinsten Berührung reist. Jeder Pilot konnte sich unmittelbar vor dem Aufrollen für eine Distanz zum Hindernis entscheiden, höchstens aber 150m. Einige Teams haben erfolgreich gepokert und schafften den Überflug teilweise aus 80 bis 100m Distanz, andere pokerten zu hoch und rissen das Flatterband. Eine nicht nur für Zuschauer und Schiedsrichter spektakuläre Aufgabe, auch die Piloten können zeigen wie gut sie Kurzstarttechniken beherrschen und die Performance ihres Flugzeuges kennen. Die zweite Aufgabe des Tages war nochmals ein Ziellandewettbewerb. Hier konnten die punktemäßig eng beieinanderliegenden Teams noch einmal alles geben, um vielleicht noch einen Platz zu gewinnen. Wie schon beim ersten Ziellandewettbewerb erreichten vier Teams die Höchstpunktzahl von 250, allerdings erreichte das nur ein Team in beiden Tasks. Für das UL-DM Team endete der Tag mit der Auswertung und Überprüfung der Ergebnisse und den Vorbereitungen für die Siegerehrung am Sonntag. Die Teams feierten ihre Erfolge in den Räumen des LSC-Recklinghausen, wie man hörte, teils ausgiebig.
Der Präsident das Aeroclubs NRW, Volker Engelmann, beehrte uns zur Siegerehrung am Sonntag. Nicht nur das er tatkräftig mit anpackte, Pokale und Urkunden zu überreichen, auch hatte er für jedes Team passende Worte und viel Lob parat. Neben Pokalen und Urkunden gab es Förderpreise in jeder Klasse, 300, 200 und 100 Euro für die Plätze 1, 2 und 3, für jedes Besatzungsmitglied. Über die Förderung für Flugschüler von 1000 Euro darf sich das Team Bernd Heller und Camille Delos freuen. Die Förderpreise werden von der Bundeskommission Ultraleicht im DAeC vergeben. Volker beendete die 33. Deutsche Meisterschaft im Ultraleichtfliegen, nicht ohne noch einmal einen großen Dank an alle Teilnehmer, die Organisation am Platz und das UL-DM Team auszusprechen. Wie bereits bei der Eröffnung wurde die 33. Deutsche Meisterschaft mit der Nationalhymne abgeschlossen.
Wir gratulieren allen Teilnehmern zu ihren Erfolgen, denn wir alle haben etwas gewonnen. Neben den Preisen und Pokalen nehmen wir unersetzliche Erfahrungen mit, lernen etwas über unsere mentale Leistungsfähigkeit und die physikalischen Grenzen und die Performance unserer Luftsportgeräte. Und das ist der Sinn einer solchen Meisterschaft!