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Dachverband der deutschen Luftsportverbände Mitglied der Fédération Aéronautique Internationale und des Deutschen Olympischen Sportbundes

„Die Erfahrung unseres Standard-Klasse-Teams ist enorm“

Seit 2015 trainiert Karsten Leucker gemeinsam mit Gerrit Feige die Junioren-Nationalmannschaft der Segelflieger. Sechs seiner Schützlinge treten vom 28. Juli bis 10. August bei den FAI Weltmeisterschaften der Junioren im ungarischen Szeged an. Wir sprachen mit dem 30-Jährigen über Trainingsaufwand, Titelchancen und das Vorurteil vom „Bonzensport“.

Karsten Leucker ist seit 2015 Betreuer der Junioren-Nationalmannschaft im Segelfliegen. Er teilt sich das Amt mit Gerrit Feige.

Herr Leucker, worauf freuen Sie sich während der WM am meisten?


Am meisten freue ich mich darauf, drei tolle Wochen mit guten Freunden zu verbringen, sowohl in unserem Team, als auch aus anderen Nationen. Auch die Zusammenarbeit mit Gerrit Feige als Coach und Jan Kretzschmar als Meteorologe hat 2017 bei der vergangenen Junioren-WM in Litauen schon viel Spaß gemacht, da wir als Betreuer jeden Tag vor neue, spannende Aufgaben gestellt wurden.

Wie wird man denn überhaupt Trainer der Junioren-Nationalmannschaft?


Ich habe relativ kurz nachdem ich selbst begonnen hatte Wettbewerbe zu fliegen die Trainerlizenz gemacht und war dann einige Jahre als Trainer im bayerischen D-Kader aktiv. Nach meiner letzten Deutschen Juniorenmeisterschaft 2014  haben sowohl der damalige Bundestrainer, als auch der Junioren-Trainer ihren Rückzug angekündigt. Daraufhin haben mich die WM-Piloten gefragt, ob ich sie als Trainer zur WM 2015 begleiten würde. Ende 2015 wurde Wolli Beyer dann neuer Bundestrainer und hat Gerrit Feige und mich noch vor Beginn seiner Amtszeit gefragt, ob wir die Betreuung der Junioren komplett übernehmen möchten. Seitdem teilen uns Gerrit und ich die Aufgaben, was aufgrund unserer Jobs auch die einzige Möglichkeit ist, um eine gute Betreuung zu gewährleisten.

Wie viele Nachwuchstalente nehmen für Deutschland an der WM teil? In welcher Klasse sehen Sie die größten Chancen auf einen Podestplatz?


Es dürfen pro Nation sechs Piloten teilnehmen, jeweils drei pro Klasse.  Wo wir die besseren Chancen haben, ist schwer zu sagen. Die Erfahrung unseres Standard-Klasse-Teams ist enorm. Alle drei Piloten haben schon Podest Platzierungen bei internationalen Wettbewerben erzielt und zwei der Piloten verfügen bereits über WM-Erfahrung. Aber die Konkurrenz startet in der Standard-Klasse mit ähnlichen Vorzeichen. Unsere Clubklasse-Piloten kennen sich alle schon mehrere Jahre aus der Zeit im bayerischen D-Kader. Ich sehe also gute Chancen, dass sie ganz befreit „auffliegen“ können.

In welchem Alter startet eine solche Sportlerkarriere normalerweise? Wie sieht der Weg dahin aus?


Am besten fängt man mit 13 oder 14 Jahren mit dem Segelfliegen an, damit ab 16 Jahren mit dem Streckenflug begonnen werden kann. Das ist wichtig, denn der Segelflug lebt zu einem bedeutenden Teil von der Erfahrung des Piloten. Die meisten können nur am Wochenende trainieren, während des Studiums vielleicht auch mal unter der Woche. Ansonsten fliegen die meisten zwei bis vier Wettbewerbe im Jahr. Dazu kommt aber noch ein gewisses Maß an körperlichem Training für Ausdauer und Beweglichkeit. Die langen Flüge finden oft bei sehr hohen Außentemperaturen statt, die ja auch das Cockpit aufheizen. Da müssen drei Wochen Wettkampf ohne körperliche Beschwerden oder Erschöpfung gelingen. Die Zeit unter der Woche nutzen viele zusätzlich für mentale Übungen, um die Konzentrationsfähigkeit auf den langen Flügen zu steigern.

Das Fliegen wird oft als „Bonzensport“ angesehen. Ist die Ausübung dieses Sports für Jugendliche wirklich so teuer?


Gerade für Schüler und Studenten bieten viele Vereine sehr günstige Tarife. Die Ausgaben beim Segelflug verteilen sich im Gegensatz zum PKW-Führerschein meist auf zwei Jahre verteilen, sodass pro Monat 50 bis 100 Euro ausreichen. Die Wettbewerbsfliegerei an sich ist etwas teurer als die Fliegerei am „eigenen“ Flugplatz. Durch die vielen Junioren-Förderprogramme, die es in Deutschland gibt, lassen sich die Kosten durch finanzielle Zuschüsse der Landesverbände oder gar kostenlos nutzbare Förderflugzeuge deutlich senken.

Gibt es eine andere Nation, die Sie für Ihre Nachwuchsarbeit bewundern?


Nicht direkt. Unsere Titel als Teamweltmeister haben gezeigt, dass wir insgesamt gut aufgestellt sind. Ich würde da eher im eigenen Land nach Optimierungspotenzial suchen, denn hier gibt es enorme Unterschiede zwischen den Bundesländern. Ziel muss sein, dass wir eine Förderung von Nachwuchstalenten, was das Training, aber auch finanzielle Möglichkeiten angeht, in allen Bundesländern umsetzen. So haben auch wirklich alle Nachwuchstalente die gleiche Chance, zu uns in die Nationalmannschaft vorzustoßen.

Die deutsche Junioren-Nationalmannschaft

Standard-Klasse:

Simon Schröder |22| AC Bad Wörishofen
Simon Briel |23| LSV Homberg Ohm
Robin Sittmann |24| AC Rhein-Nahe

Clubklasse:

Maximilian Dorsch |25| AC Bamberg
Tobias Pachowsky |21| FC Eichstätt
Philipp Lauer |20| LSC Burg Feuerstein (fliegt in Lichtenfels)