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Dachverband der deutschen Luftsportverbände Mitglied der Fédération Aéronautique Internationale und des Deutschen Olympischen Sportbundes

Appeal von Deutschland und Großbritannien: Fairplay im Sport

Anlässlich der Vorkommnisse bei der Frauen-Weltmeisterschaft in Lake Keepit in Australien (negativ beschiedener Protest von Großbritannien, Deutschland und Luxembourg) wurde von Großbritannien und Deutschland nun eine Beschwerde bei der FAI eingereicht, ein sogenannter „Appeal“.

Hier einige Infos zu den Hintergründen. Zuerst die deutsche Übersetzung der gemeinsamen Stellungnahme, dann der Bericht von Daniela Wilden (Teamcaptain) und Wolli Beyer (Bundestrainer und Coach vor Ort):

Die gemeinsame Stellungnahme beider Verbände hier im Wortlaut (deutsche Übersetzung):


Der britische Royal Aero Club (RAeC), der von der BGA beraten wird, und der Deutsche Aero Club (DAeC), der von seiner Segelflugkommission beraten wird, haben gemeinsam bei der FAI Berufung eingelegt und eine Überprüfung der FAI/IGC-Jury-Entscheidung bezüglich eines Protest beantragt, den sie während der Frauen-Weltmeisterschaften 2019 in Lake Keepit eingereicht hatten. Die Entscheidung, Berufung einzulegen, wurde getroffen, um sicherzustellen, dass dem FAI-Tribunal alle Fakten im Zusammenhang mit der Verwendung von Live-Tracking während der Frauen-Weltmeisterschaften vorliegen.

Nachdem zusätzliche Regeln geschaffen wurden, die von der FAI/IGC im März genehmigt wurden, und nach Veröffentlichung eines Berichts der Gliding Federation of Australia (GFA) waren die Segelfluginstitutionen in Großbritannien und Deutschland der Meinung, dass eine Berufung nicht mehr im Interesse des Sports ist. Jedoch hat dann die anschließende Einreichung einer australischen Beschwerde kurz vor Ablauf der Beschwerdefrist, obwohl zuvor angegeben wurde, dass sie keine Beschwerde einlegen würden, zu einer erneuten Überprüfung dieser Entscheidung geführt.

Der RAeC und DAeC sind weiterhin besorgt über die Integrität des Segelflugs und des Fairplay im Wettbewerb. Unsere gemeinsame Berufung fordert die FAI auf, die internationalen  Grundsätze unseres Sports aufrechtzuerhalten, indem konkurrierende Sportler für die Handlungen ihrer Mannschaft verantwortlich gemacht werden und die korrekte und angemessene Strafe verhängt wird.

Bericht von Daniela Wilden (Team Captain), Wolli Beyer (Bundestrainer und Coach vor Ort):


Die Wettbewerbe der letzten Zeit haben gezeigt, dass es auch im Segelflug die Möglichkeit eines „technischen oder telemetrischen Dopings“ gibt. Aktueller Anlass für die intensive Beschäftigung mit diesem Thema war die Umgehung der obligatorischen 15minütigen Verzögerung des offiziellen Life-Trackings auf der Frauen-Segelflug-Weltmeisterschaft (WWGC) in Lake Keepit / Australien im Januar 2020 durch den Australischen Teamkapitän und das gesamte australische Team.

Anfangs erfolgten durch 8 Nationen die üblichen Beschwerdeprozesse. Diese führten anfangs nur zu geringen Strafpunkten. Im Folgenden wurde durch drei Nationen (u.a. dem Team Germany) ein Protest vorbereitet und eingereicht. Dieser forderte die Disqualifikation der gesamten australischen Mannschaft, da die Vorgehensweise des Teams des Gastgeberlandes als ein vorsätzlicher und geplanter Versuch, sich mit unfairen Mitteln Vorteile zu verschaffen nicht als sportliche Bagatelle, sondern als einen Schaden für den ganzen Segelflugsport, in Bezug auf Fairness, Sportlichkeit und sportlichem Verhalten
bewertet wurde.

Es lag auf der Hand, dass hier eindeutige und klare Maßnahmen notwendig sind, um ein Zeichen zu setzten, dass dies in unserem Sport nicht toleriert werden kann. Uns war auch schmerzlich bewusst, dass hier leider auch individuelle Härten entstehen würden.

Unser Protest wurde von der internationalen Jury abgelehnt und die Strafpunkte sogar verringert.

Das Regelwerk der FAI sieht die Möglichkeit eines sogenannten „Appeals“ vor, als erneute Bewertung eines Vorganges, wenn Formfehler und/oder Fehler im Jury-Prozess vermutet werden. Die Bundeskommission entschied sich nach intensiver Diskussion, u.a. auch mit den Sprechern der Nationalmannschaften, dazu, keinen Appeal einzureichen. Dies, da im Nachgang zur WWGC Regelanpassungen gemacht wurden, sowie personelle Konsequenzen auf Seiten der Australier gezogen wurden.
 
Entgegen den Bekundungen des Australischen Verbandes, ihrerseits auf einen Appeal auf Punkterückerstattung zu verzichten, stellte sich kurz vor Ablauf der 90-tägigen Frist heraus, dass die australischen Pilotinnen ihrerseits an die FAI appelliert hatten. Sowohl der Britische, wie auch der Deutsche Verband mussten in dieser Situation reagieren, um ihrer Position eines fairen und sportlichen Segelflugsports Nachdruck zu verleihen und zu gewährleisten, dass alle Seiten in diesem Prozess gehört werden.