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Dachverband der deutschen Luftsportverbände Mitglied der Fédération Aéronautique Internationale und des Deutschen Olympischen Sportbundes

Wasserkuppe: 100 Jahre Segelflugwettbewerbe

100 Jahre nach dem ersten Segelflugwettbewerb auf der Wasserkuppe, der ersten „Rhön“ also, hat sich der Segelflug rasant entwickelt. Streckenflüge bis zu 3.008 Kilometer sind Realität. In rund 900 Vereinen üben zirka 28.000 Segelflieger ihren Sport aus. Während sich die Pioniere über Gleitzahlen von fünf freuten, ist heute die Gleitzahl 65-70 in den Offenen Klasse Flugzeugen Wirklichkeit geworden. Das alles ist Verdienst der mutigen Männer, die vor hundert Jahren in Zeiten der Inflation den Traum vom Fliegen lebten.

Seit 1923 "wacht" das Fliegerdenkmal über die dort stattfindenden Wettbewerbe.

Vorträge und Führungen zum Thema 100 Jahre Segelflugwettbewerb

Diese Verdienste möchte die Gesellschaft zur Förderung des Segelfluges auf der Wasserkuppe in diesem Jahr ausführlich würdigen. So sind am 08. August ab 9.00 Uhr  im Segelflugmuseum auf der Wasserkuppe  Vorträge und Führungen zum Thema 100 Jahre Segelflugwettbewerb geplant. Auch werden der Flugsport, Wissenschaft und Technik erläutert. Geschichten aus dieser Zeit wird Herr Jenrich vortragen. Tags darauf sowohl am Samstag wie am  Sonntag  (08/09. August 2020) gibt es eine ganztägige Ausstellung zur 100 Jährigen Entwicklung der Segelflugzeuge.

Vom 15.Juli bis 31 August 1920 fand  auf der Wasserkuppe die erste Rhön statt. 25 Piloten nahmen aus ganz Deutschland teil. Mit  ihren Ein-Zwei- -und Dreidecker eroberten sie dabei die Hänge der Wasserkuppe. Meist kam man über Hüpfer mit den einfachen Fluggeräten nicht hinaus. Doch eines zeichnete die damaligen Piloten aus. Sie waren mit Idealismus dabei und lebten ihren Traum. Mut gehörte dazu. So wurde Willy Pelzner mit seinen Hängegleiterflügen bis zu 500 Meter geachtet. Sein Vermächtnis bleibt unvergessen. Seit 1978 erinnert ein Stein auf dem Parkplatz gegenüber der Fuldaquelle an Pelzner.

Dipl. Ing. Wolfgang Klemperer schafft Sensation

Die Sensation schaffte Dipl. Ing. Wolfgang Klemperer während der ersten "Rhön". Er flog mit dem Schwarzen Teufel der Flugwissenschaftlichen Vereinigung in zwei Minuten und 22 Sekunden stolze 1.830 Meter weit. Damit hatte er den ersten offiziellen Weltrekord im Streckenflug erzielt. Eines zeichnet den ersten Segelflugwettbewerb ebenfalls aus. Hier stand Kameradschaft an erster Stelle. Viele Freundschaften wurden geschlossen, die ein  Leben lang hielten.

Doch am 09. August hatten die Pioniere im Segelflug auch einen ersten Schicksalsschlag zu verzeichnen. Am 24. Todestag von Otto Lilienthal stürzte der Darmstädter Eugen von Loessl mit seinem Doppeldecker ab und wurde der erste Fliegertote auf der Wasserkuppe. Und noch etwas Besonders hatte die erste Rhön. Am 29. August 1920 wurde ein Denkmal aus Basaltsäulen von Fliegern der FSV Darmstadt, die den ersten Weltkrieg überlebten, zusammen mit den Teilnehmer des Rhönwettbewerbs eingeweiht.

Streckenflugwettbewerb für Segel- und Gleitschirmflieger zum Jubiläum

Als Besonderheit wird die Gesellschaft zur Förderung des Segelfluges auf der Wasserkuppe e.V. zum 100-jährigen Jubiläum einen Streckenflugwettbewerb für Segelflüge und auch Gleitschirmflieger mit Start oder Ziel auf der Wasserkuppe werten. Die Piloten konnten vom 1. April bis zum 08. August 2020 ihre Flüge melden, um teilzunehmen. Zum Streckenwettbewerb hat sich der Vizepräsident  der GFS Frank Thies eine „Index-zum-Quadrat-Regel“ ausgedacht. Da sind auch die alten Vögel wie zum Beispiel eine K-6 oder Flugzeuge der ersten Kunststoffgeneration  nicht chancenlos.  

Am Ende des Berichts sind dazu einige Beispiele zum Index aufgelistet. Mit dem Streckenflugwettbewerb möchte man auch die reinen Hobbypiloten ermutigen, sich auf dem Luftweg in die Rhön aufzumachen. Und passt das Wetter, ist die Wasserkuppe immer noch ein Ort, an dem man phantastisch Fliegen und Urlaub machen kann.

Die Flüge müssen als Link zum OLC an wettbewerb@fliegerschule-wasserkuppe.de geschickt werden. Die Punktzahl wird dann noch einmal durch den Index geteilt.  Am Samstag (08. August) findet feierlich die Siegerehrung zum Streckenwettbewerb statt. Gewertet werden alle Flüge , die bis zum 08. August 2020 an die oben genannte Adresse gemeldet wurden. Folgend kommt  bei der Abendparty am Samstag, 8. Februar, das Miteinander nicht zu kurz.

Rhöngeist auch heute noch spürbar

Auch heute ist der  Rhöngeist  immer noch zu spüren, sobald man die touristisch überlaufenen Ziele verlässt. Droben rund ums Fliegerdenkmal und Radom findet man immer wieder noch den echten Naturfreund. Ob sie erahnen, wie bei den legendären Rhönwettbewerben der 30er Jahre die Segelflugzeuge mit dem Gummiseil in den Hangwind befördert wurden und Flüge bis zu 500 km in die Tschechei absolvierten? Im Segelflugmuseum wird sicherlich auch immer wieder der Name Carl-Oskar Ursinus zu hören sein. Er brachte auch die Zeitschrift „ Flugsport“ heraus. Mit ihr erwarb sich Ursinus  nicht nur unter den Fliegern einen großen Namen. Bei vielen war er dabei als „Rhönvater“ bekannt.

In Gersfeld ist eine Straße nach ihm benannt. Verfolgt man die Meldungen im damaligen Flugsport, kann man selbst von einem ersten Idaflieg Treffen sprechen. Immerhin waren da die Flugwissenschaftliche Vereinigung Aachen, der Flugtechnische Verein Darmstadt und der Flugtechnische Verein Stuttgart dabei, aus denen sich später die Akaflieg entwickelten. Sie sorgen noch heute mit ihren Neukonstruktionen für frischen Wind am Himmel. Zahlreiche legendäre Konstrukteure, wie zum Beispiel Gerhard Waibel, Klaus Holighaus und Wolf Lemke haben bei den Akaflieg ihr Handwerk gelernt. Ihre Erfolgsflugzeuge kann man sich im Segelflugmuseum der Wasserkuppe oder auch am Himmel über der Wasserkuppe in aller Ruhe anschauen.

Am 08. und 09. August Exponate auf der Wasserkuppe bewundern

Flugsport, Wissenschaft und Technik und daraus entstandene Exponate, können alle Interessierten am  08. und 09. August am Motorplatz neben dem Luftsportzentrum  bewundern. Als langjähriger Segelflieger und ausgewiesener Wasserkuppenkenner wird Frank Thies, in der Segelfliegerwelt besser als „Opa“ bekannt,  dazu kommentieren. Thies wird sicherlich auch manche Geschichte über den populären Konstrukteur Rudolf Kaiser parat haben. Schließlich verschaffte er mit seinen Konstruktionen dem Segelflugzeughersteller Alexander Schleicher in Poppenhausen zu Weltruhm. Mit der legendären K-6 „alte Liebe“ erflog der Hamburger Heinz Huth zweimal zum Weltmeistertitel in Köln-Butzweilerhof und 1963 in Argentinien.

Frank Thies, Harald Jörges, Andreas Schubert, Bernd Bucksa und Hans-Georg Kaiser haben die Idee für den  Jubiläums-Streckenflugwettbewerb entwickelt. Sie hoffen, dass zahlreiche  Piloten auf dem Luftweg den Weg zur Wasserkuppe finden. Hier lautet  das  Motto, wie vor 100 Jahren : „Dabei sein ist alles und den Fliegergeist auch in Zukunft weiter pflegen.“

Wertungsbeispiele Streckenflugwettbewerb

DatumFlugzeugOLC-PunkteIndexGFS-Punkte
07.07.2019
Quintus M821,891,25657,51
07.07.2019LS 1d539,810,98550,83
06.07.2019LS6/18558,741,17477,56
06.07.2019Std. Libelle510,750,98521,17
16.06.2019Nimbus 4 DM588,21,23478,21
16.06.2019LS1d439,850,98448,83
15.06.2019DG 800/18489,341,18414,69
15.06.2019Std. Libelle382,370,98390,17
09.06.2019Duo XT727,741,11655,62
09.06.2019Std. Libelle622,670,98635,38
08.06.2019Discus 2/18959,86    1,14841,98
08.06.2019Std. Cirrus WL921,06    1921,06
26.05.2019Ventus 2 cT/18951,49    1,18806,35
26.05.2019    LS1d    807,23    0,98823,70