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Dachverband der deutschen Luftsportverbände Mitglied der Fédération Aéronautique Internationale und des Deutschen Olympischen Sportbundes

Neues vom Funk

In der letzten Zeit tut sich auf Europäischer Ebene einiges zum Thema Funk für UAV, was den Modellflug mit einschließt.

Die Historie
In den letzten 10 Jahren hat es eine Migration der R/C-Technologie von technisch sehr einfachen Systemen im Low-VHF-Bereich (in Deutschland 27/35/40 MHz) hin zu deutlich komplexeren Systemen im 2.4 GHz- und in geringem Umfang im 5.8 GHz Band gegeben. Durch die deutlich fortschrittlichere Technik sind viele Störungsprobleme wie Kanaldoppelbelegungen und Probleme mit Überreichweiten gelöst worden.

Neue Anforderungen
Während früher im Bereich der UAV fast ausschließlich der Modellflug präsent war, sind dort mittlerweile zahlreiche neue Nutzer dabei. Das ist zunächst der Bereich der Toys, also kleine UAV (meist Kopter) außerhalb des organisierten Modellflugs, die in riesigen Stückzahlen auf den Markt geworfen werden und zunehmend kommerzielle und behördliche Nutzer.
Der Bereich der Toys kann nur schwerlich Bedarf an neuem Spektrum für die Fernsteuerung anmelden. Allerdings belasteten diese Toys das zur Verfügung stehende Spektrum massiv.
Dagegen besteht für die professionellen, behördlichen und im Modellflug organisierten Anwender der Bedarf nach einer erhöhten Sicherheit der Funktion der R/C-Technik. Dieser Sicherheitszuwachs kann z.B. durch eine Erhöhung der Sendeleistung oder durch neue Frequenzbereiche erzielt werden. Ferner ist durch die Grundverordnung zur Luftfahrt der EU (Basic Regulation) eine solche Erhöhung der Sicherheit der R/C-Funktion mandatiert.
Eine Erhöhung der Sendeleistung bietet zusätzlichen Schutz gegen Störungen anderer, nicht kooperativer Funksysteme, die in der Mehrzahl nicht R/C-Systeme sein werden oder durch neue, weniger bevölkerte Frequenzbereiche, die dann teilweise exklusiv zur Verfügung stehen. 

Aktuelle Aktionen innerhalb der EU
Innerhalb der Gremien der EU laufen z.Z. zwei Aktivitäten hinsichtlich der Regularien der Fernsteuerung von UAV. Die Fernsteuerung wird dort als „Command and Control“ oder „C2“ bezeichnet und beschreibt die Fernsteuerung und die Telemetrie für UAV.
Die eine Aktivität findet bei der CEPT (Conférence Européenne des Administrations des Postes et des Télécommunications) zum Thema der Bereitstellung von Spektrum für die Steuerung von UAV statt
Ein weiterer Aktionspunkt ist der Versuch, im Bereich 2.4 GHz die zulässige Sendeleistung  für R/C-Systeme zu erhöhen. Diese Aktion läuft zunächst innerhalb der ETSI (Europäisches Institut für Telekommunikationsnormen), wird aber bei Erfolg an die CEPT weitergeleitet.

Vertretung des Modellflugs
Der Modellflug wird innerhalb der CEPT durch die EMFU und den DAeC unter dem Schirm der Aktivitäten des ISAD e.V. (Interessenverband Short Range Device Anwender Deutschland e.V .) vertreten, der als Vertretung der Anwender von Datenübertragung für Jedermann-Funksystemen in der CEPT bestens etabliert ist.
Innerhalb der ETSI findet die Vertretung ebenfalls durch den ISAD statt, der bei der ETSI Full-Member ist (nebenbei kein ganz billiger Spaß). Damit sind die Anwender von R/C-Anlagen besten vertreten.
Was zu bemängeln ist, dass die Hersteller weder bei der CEPT noch bei der ETSI bisher in Erscheinung getreten sind oder sich aktiv beteiligt haben. Auch die „professionellen“ Anwender haben dort bisher durch Abwesenheit geglänzt. Das ist sowohl bei der ETSI als auch bei der CEPT schon deutlich bemängelt worden und sollte bei den betroffenen Marktteilnehmern eine Alarmglocke läuten lassen. Sonst fährt der Zug ohne sie (und dann auch ohne uns) ab! Es verbleibt sonst nur noch eine Regelung für hoheitliche UAV.
Um dieses zu verhindern, steht die Bundeskommission Modellflug im DAeC, das Funkreferat mit den in Deutschland aktiven R/C-Hersteller, um diese zur Mitarbeit zu bewegen.

Was ist neu?
Es ist in der Diskussion sind die Frequenzbereiche von 1880 – 1920 MHz und der Bereich von 5 – 5.1 GHz für UAV verfügbar zu machen. Angedachte Sendeleistungen liegen dort im Bereich von ca. 2 - 3 Watt, da hier auch der Bereich des BVLOS abgedeckt werden soll. Dabei ist der Bereich von 1880 -1900 MHz für Behörden-UAV und der Bereich 1900 -1920 für zivile Anwendungen geplant. Aktuell (1880 – 1900 MHz) und geplant (1900 – 1920 MHz) läuft in diesem Frequenzbereich z.Z. das von den schnurlosen Telefonen her bekannte DECT. Im oberen Bereich gibt es auch noch Anwendungen der Eisenbahnen. Hier ist eine Verträglichkeitsstudie der CEPT geplant um eine Koexistenz der gemeinsamen Nutzung des Frequenzbereiches zu überprüfen. Naturgemäß ist der DECT-Bereich von dieser Idee nur begrenzt begeistert.
Bei den zivilen Anwendungen ist immer von „Professional Drones“ die Rede. Im europäischen Luftrecht existiert eine solche Klassifizierung allerdings nicht. Gemeint ist eher der Bereich der Specific Category in der auch der organisierte Modellflug angesiedelt ist.
Der Frequenzbereich 5 – 5.1 GHz ist momentan fast ungenutzt, so dass es hier wenig Probleme mit der Koexistenz mit anderen Funksystemen geben sollte. Dieser Bereich ist für die zivile Nutzung eingeplant.
Da in den neuen Frequenzbereichen auch BVLOS abgedeckt werden soll, ist von deutlich höheren Sendeleistungen die Rede. In der Diskussion sind Leistungen im Bereich 2 -3 Watt.
Ein weiterer Aktionspunkt ist der Versuch, im Bereich 2.4 GHz die zulässige Sendeleistung von 100 mW auf 1 W zu erhöhen. Auch hier ist das Argument die erhöhte Sicherheit und der BVLOS-Betrieb. Die Zielgruppe ist auch hier die Specific Category. Für die Open Category greift das Argument des höheren Leistungsbedarfs für BVLOS nicht, da es das dort nicht gibt.
Diese Aktion läuft zunächst innerhalb der ETSI, wird aber bei Erfolg an die CEPT weitergeleitet.
Zusammenfassend betrachtet besteht also für den Modellflug im Rahmen von Verbänden und Vereinen die Hoffnung, dass es neue Frequenzbereiche gibt und die erlaubte Sendeleistung zur Erhöhung der Sicherheit deutlich angehoben oder direkt auf einem höheren Level angesetzt wird.
Im Rahmen dieser Behandlung des Spektrumbedarfs für UAV wird auch über Spektrum für die Nutzlast zu reden sein. Nutzlast mit hohem Spektrumbedarf sind hauptsächlich Onboard-Kameras. Hier gibt es Überlegungen, Frequenzbereiche, die bisher für professionelle Funkkameras (Rundfunkanstalten, Produktionsfirmen usw.) reserviert sind, für die Anwendungen durch UAV zu öffnen. Die Behandlung dieses Themas steht allerdings noch an.
Die Verwendung von MFCN (Mobile / Fixed Communication Networks), also GSM, UTMS, LTE, 5G usw. sind nebenbei explizit ausgeschlossen. Die Verwendbarkeit dieser Technologien für eine direkte und latenzarme Steuerung eines UAV durch einen Piloten, die zudem überall und uneingeschränkt zur Verfügung steht, ist mehr als fraglich. Es geht hier um direkte Punkt zu Punkt-Verbindungen ohne Infrastruktur dazwischen.
Ferner hat das alles mit U-Space nichts zu tun.
Der Zeitrahmen für alle diese Aktivitäten ist langfristig und wird eher in Jahren als in Monaten zu messen sein. Hinzu kommt, dass es für die neuen Frequenzbereiche keine Hardware gibt und eine Entwicklung erst beginnen kann, wenn genaue technische Anforderungen dazu vorliegen. Derartige technische Definitionen existieren bisher noch nicht und müssen erst geschaffen werden.
Der große Unterschied zur Einführung der 2.4 GHz Technik im Modellflug ist der, dass für 2.4 GHz R/C keine Regulierung oder technische Anforderungen geändert werden mussten. Es war alles vorhanden, musste nur genutzt werden. Von daher wäre der Schwenck zu 2.4 GHz auch schon 10 Jahre früher möglich gewesen. Es hat nur keiner gemacht.
Für die jetzt anstehenden Erweiterungen muss es recht umfassende Änderungen in der Funkregulierung, eine völlige Neudefinition der technischen Anforderungen und technische Neuentwicklung z.B. in Form passender Chips geben, die von den Anwendern und Herstellern getrieben werden muss. Es gibt also viel zu tun. Packen wir es an.
Hoffen wir, dass sich der Bereich des Spektrums für UAV so entwickelt, dass sich neue Perspektiven für den Modellflug ergeben.