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09.05.2017 Allgemein, Ultraleichtflug, Presse

Ultraleicht? Unterricht im Unterrichten

„Wer weiß, was sich beim Starten von einer Graspiste für den Piloten ändert?“ Nikolaus Wettges schaut sich im Raum um. Jemand ruft: „Die Länge der Startstrecke?“ „Genau“, sagt Wettges und drückt auf seinen Präsentations-Stick. Auf der Leinwand erscheint die nächste Tabelle mit Zahlen. Das Thema: „Verhalten in besonderen Fällen“.

Nikolaus Wettges bei seiner Lehrprobe.

Wettges will Fluglehrer für Ultraleichtflugzeuge werden und befindet sich mitten in seiner Lehrprobe – die Ahnungslosigkeit der Zuhörer ist gespielt. Alle, die seinen Ausführungen in der „Ultraleicht Flugschule Hannover“ lauschen, haben etliche Stunden Flugerfahrung, kennen sich in Theorie und Praxis aus. Und alle wollen UL-Fluglehrer werden.

Wer dieses Ziel verfolgt, muss sich unterrichten lassen – im Unterrichten. Die angehenden UL-Lehrer erfahren, wie sie Seminare strukturieren, auf Schüler eingehen, mit Neulingen „von rechts“ fliegen. Nach den Seminarstunden und bestandener Theorie- und Praxisprüfung sind sie trotzdem noch keine Fluglehrer: Als „Fluglehrerassistenten“ müssen sie unter Aufsicht eines Ausbildungsleiters ihr Können im Unterrichten von Schülern unter Beweis stellen. Wenn auch das gelungen ist, dürfen sie sich „UL-Fluglehrer“ nennen.

Nach Wettges Lehrprobe steht fest: In Sachen Didaktik hat der Münchner seine Aufgaben gemacht. „Die Ausführungen waren gut illustriert, die Zahlen sauber aufgearbeitet, der Zuhörer wurde nicht von Text erschlagen – und am Ende gab es noch eine Übungsaufgabe“, meint Jürgen Pechmann vom DAeC-Luftsportgeräte-Büro, der heute als Prüfer im Publikum sitzt. Sein Fazit: „Top“ – eine Einschätzung, die DAeC-Prüfer und Fluglehrer Jean Maesér teilt. Wettges erreicht  158,5 von 160 Punkten; 120 hätten gereicht, um zu bestehen. Entspannen kann sich Wettges indes nicht: Noch heute muss er in einem Flugzeug beweisen, dass er einen Flugschüler anleiten und in brenzligen Situationen eingreifen kann.

Es ist der vorletzte Tag des UL-Fluglehrer-Lehrgangs, den die am Hannover Airport beheimatete „Ultraleicht Flugschule Hannover“ zusammen mit dem DAeC anbietet. Acht UL-Piloten haben teilgenommen: Manche sollen die Ausbildung in ihrem Verein übernehmen, andere wollen sich weiterbilden, wieder andere planen den beruflichen Neuanfang. „Und bei allen gibt es das Bedürfnis, sich auszutauschen“, sagt Timo Drollinger, der die UL-Flugschule leitet. Ein Lehrgang biete dafür mehr Gelegenheit als zum Beispiel ein Fly-in. „Am Flughafen Hannover können sie außerdem über den Tellerrand schauen. Für viele ist es die große Premiere, einen Verkehrsflughafen anzufliegen.“  Der Geschäftsführer des Hannover Airport, Dr. Raoul Hille, ist selber auch UL-Pilot und nimmt sich Zeit für einen Plausch. Die Allgemeine Luftfahrt sei wichtig, sagt er – und vom Flughafen nicht mehr wegzudenken.