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< Impressionen vom Deutschlandflug
16.06.2017 Allgemein, Presse, Motorflug, Ultraleichtflug

Ein Wettkampf unter Freunden

Aller Anfang ist schwer, heißt es im Volksmund. Der Auftakt des Deutschlandflugs vermittelte eher ein Gefühl der Leichtigkeit - und das, obwohl der Navigationswettbewerb fliegerische Herausforderungen auf hohem Niveau bietet.

Nicht nur beim Landeanflug auf Neubrandenburg ist höchste Konzentration gefragt.

Dass es von Beginn an entspannt und freundschaftlich zugeht, sagt viel über den Wettkampf, seine Organisatoren und die Piloten.

Über das Vorfeld rollt ein Motorflugzeug, zehn Minuten später rollen zwei gut gelaunte Piloten ihre Koffer zum Check-in des Flughafens Lübeck: großes Hallo, Umarmungen, angeregtes Geplauder. Die Stimmung am ersten Tag des Deutschlandflugs ist ausgelassen. Manche Piloten kennen sich von früher, andere sehen sich zum ersten Mal – alle haben Gesprächsbedarf: Wie war deine Anreise? Zum wievielten Mal bist du dabei? Mit welcher Wettbewerbsgeschwindigkeit bist du unterwegs? Die Motor- und Ultraleichtflieger sind in ihrem Element. Zu Ihnen gehören auch DAeC-Präsident Wolfgang Müther, DAeC-Vizepräsident Mike Rottland und Martin Busch, Präsident des Landesverbandes Schleswig-Holstein.

“Man kann sich hier gut austauschen”, sagt Axel Fischer-Lange. Zusammen mit Johann Schwegler startet er zum zweiten Mal bei diesem Wettbewerb. “Der Deutschlandflug zeigt einem, wo man mit seiner Leistung steht, und er lehrt einen viel über präzises Fliegen.” Aufgebrochen sind Fischer-Lange und Schwegler, beide vom  FSV 1910 Karlsruhe, in Baden-Baden. Nach einem Zwischenstopp – Pizzaessen in Würzburg – ging es für sie nonstop weiter bis nach Lübeck. Mit ihrer Maschine stehen dort am Ende des Tages 73 Flugzeuge. Am nächsten Tag werden sie in zwei Gruppen abheben: Für die Wettbewerbsflieger geht es nach Neubrandenburg und Dessau, bevor sie schließlich in Dresden mit den Touringfliegern zusammentreffen. Die wiederum fliegen außerhalb der klassischen Wertung über Stralsund und Eberswalde-Finow.

Das Ziel, das die meisten Wettbewerbspiloten formulieren, könnte kaum bescheidener klingen: irgendwo im Mittelfeld landen. Beim Deutschlandflug möchte niemand als verbissener Pilot mit Messer zwischen den Zähnen auftreten. Der Spaß steht im Vordergrund. Fakt ist aber auch: Jeder Teilnehmer freut sich über einen Sieg. In der Touringgruppe ist das anders: Hier ist der Weg das Ziel.

Der 22-jährige Kjell Buchholtz fliegt mit seinem Vater in einer Klemm 107 in der Wettbewerbsgruppe mit. Buchholtz ist von Haus aus Segelflieger, beim Deutschlandflug übernimmt er die Rolle des Navigators  - und das bereits zum vierten Mal. Er will es ruhig angehen: "Wir möchten auch die Landschaft genießen."

Dank einer Förderung durch die Bundeskommission Motorflug sind in diesem Jahr viele Piloten dabei, die so jung sind wie Buchholtz: insgesamt vier Teams. Drei davon erhalten je 1500 Euro für anfallende Kosten. Buchholtz, seines Zeichens stellvertretender Landesjugendleiter der Luftsportugend Schleswig-Holstein, hat die Teams ausgewählt. “Bei mir lagen neun Bewerbungen auf dem Tisch.” Geschafft haben es unter anderem der 20-jährige Yannick Posselt und der 19-jährige Moritz Möller. Sie fliegen mit einem Motorsegler, Marke Dimona. “Das hier ist positiver Stress”, meint Möller - der gerade erst eine stressige Zeit hinter sich hat: Er ist frischgebackener Abiturient. Mit Posselt als Navigator hat er knapp 30 Trainingsflüge für den Deutschlandflug absolviert. “Wir sind vor allem Platzrunden geflogen, um die Ziellandung zu üben." Es soll nicht das letzte Mal sein, dass Jugendteams mitfliegen. “Uns ist das sehr wichtig”, meint Klaus Rogge, Vorsitzender der Bundeskommission Motorflug.

Bevor es am nächsten Tag vom Flughafen Lübeck aus nach Neubrandenburg geht, herrscht großes Gewusel. Die Touringgruppe sitzt im Briefing, die Wettbewerbsflieger bereiten ihre Flieger vor. Und überall: Journalisten. Der NDR ist mit einem Team vor Ort. An einem Flugzeug wird eine Kamera für Luftaufnahmen installiert. Als dann die Touring-Flieger abheben, sitzen die Wettbewerbsflieger im Briefing: Bitte den Transpondercode auf 4647 rasten, Hinweise der DFS beachten - und: “Denkt an eure Logger.” Navigationsflugreferent Ralf Grunwald geht konzentriert sämtliche Punkte durch, der stellvertretende Vorsitzende der Buko Motorflug, Werner Tommek, behält den Überblick über den Gesamtablauf.

Ein Teil des Orga-Teams ist da schon unterwegs nach Neubrandenburg - schließlich müssen die Landungen bewertet werden. Angekommen, geht es schnurstracks mit Stühlen und Ferngläsern zur Landbahn. Drei Meter ist der Landebalken breit, auf dem die Flugzeuge aufsetzen müssen. Oft sieht es zunächst gut aus - dann landet die Maschine doch vor oder hinter der Markierung. Und das gibt, je nach Entfernung von dem Balken, Strafpunkte. Es ist ein bisschen so, wie bei Darts mitten ins Schwarze zu treffen. Beim ersten Wurf.

Kjell Buchholtz und sein Vater Oliver kassieren 467 Strafpunkte und sichern sich damit vorerst Platz 17 von 29. Viel Zeit zum Verschnaufen bleibt den beiden nicht. An diesem Tag müssen sie noch eine gewertete Runde in Neubrandenburg drehen. Das heißt: Sie dürfen. Denn beim Deutschlandflug geht es vor allem um eines: Spaß.

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