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Dachverband der deutschen Luftsportverbände Mitglied der Fédération Aéronautique Internationale und des Deutschen Olympischen Sportbundes

Generalprobe für die Segelflug WM 2020

Warum sind Deutsche Meisterschaften für den Segelflugsport so wichtig und wie bereitet man sich eigentlich auf ein Großevent wie die Weltmeisterschaften vor? Wir sprachen im Vorfeld der Deutschen Meisterschaften (DM), die vom 8. bis 19. Juli in Stendal stattfinden werden, mit Sportleiter Christoph Barniske.

Auch Christoph Barniske hat schon die Wettkampf-Luft der Deutschen Meisterschaften geschnuppert. Er organisiert die Weltmeisterschaften im Segelflug 2020 in Stendal mit. Foto: privat

Herr Barniske, obwohl Sie erst 38 Jahre alt sind, sind Sie dem Segelflugsport bereits seit Jahrzehnten verbunden…


Ich fliege seit 1996 Segelflugzeuge und bin nach einigen Jahren in der Club- und 18m-Klasse mittlerweile in der Standardklasse auf der LS8 "8A" zuhause. Meine besten Platzierungen waren bisher der 5. Platz auf der Standardklasse-DM 2017 in Zwickau und der 8. Platz auf der Standardklasse-DM in 2019. Außerdem konnte ich in 2015 auf einer ASG29 die Berliner Meisterschaften in der Offenen Klasse gewinnen. Seit 1996 gehöre ich dem der Aero-Club Stendal an, auch wenn ich zwischenzeitlich auch in Reinsdorf und Leverkusen geflogen bin.

In wie vielen Klassen wird die DM in Stendal ausgetragen?


Im Segelflug gibt es insgesamt sechs Klassen. Die DM in Stendal wird in 2019 in zwei Klassen ausgetragen (Offene und Doppelsitzer), gleichzeitig findet ein internationaler Trainingswettbewerb in der 18m-Klasse statt, der auch auf die WM vorbereiten soll. Neben Stendal gab/gibt es in diesem Jahr noch Deutsche Meisterschaften in Zwickau (Sachsen) und Marpingen (Saarland). Meines Wissens wurde der erste richtige nationale Segelflugwettbewerb im Jahre 1920 auf der Wasserkuppe ausgetragen. Deshalb wollen wir im kommenden Jahr zur WM 100 Jahre Segelflugwettbewerb feiern.

Und wie laufen die Vorbereitungen zu den Deutschen Meisterschaften?


Wenige Wochen vor dem Wettbewerb hat nun die "heiße Phase" begonnen, aber bisher läuft alles nach Plan und wir freuen uns auf unsere Gäste. Wir rechnen mit insgesamt etwa 85 Teilnehmern in den drei Klassen. In der Offenen Klasse ist sicher Michael Sommer der Favorit. Bei den Doppelsitzern wird es spannend sein zu beobachten, wie sich unsere internationalen Gäste schlagen.

Wieso ist es für den Sport Segelfliegen so wichtig, nationale Meisterschaften abzuhalten?

Die deutschen Meisterschaften haben eine sportliche und eine darüber hinausgehende Dimension: Sportlich betrachtet sorgt das Qualifikationsschema rund um die deutschen Meisterschaften für ein ausgesprochen hohes Niveau der nationalen Wettkämpfe in Deutschland. Gleichzeitig bietet es eine gute Einstiegsmöglichkeit auch für Breitensportler um sich an dieses hohe Niveau heranzuarbeiten. Darüber hinaus genießt der Sport in Deutschland nach wie vor einen hohen Stellenwert, und damit tragen auch die deutschen Meisterschaften dazu bei, dass wir unsere Freiheiten als Segelflieger behalten können. Ich denke aber auch, dass wir in puncto Öffentlichkeitsarbeit noch mehr aus unseren Deutschen Meisterschaften herausholen müssen und Technologien wie das Live-Tracking auch für ein nicht-fliegendes Publikum interessant aufbereiten sollten.


Sehen Sie die Deutschen Meisterschaften als Generalprobe für die WM 2020, die ja auch in Stendal stattfinden wird?

Ja, gerade auch weil wir gleichzeitig einen internationalen Trainingswettbewerb austragen. Das ist eine gute Gelegenheit um zu lernen, wie wir uns auf unsere Gäste zur WM einstellen können und um die zusätzlichen Anforderungen an uns als Ausrichter kennenzulernen. Ein paar Erfahrungen in die Richtung haben wir 2007 und 2008 als Austragungsort der holländischen Meisterschaften und in 2018 mit der Vintage Glider Rallye gesammelt.

Weshalb bietet sich gerade Stendal als Austragungsort an?


Vier Gründe sprechen für Stendal:

  • Es gibt für einfach alles genug Platz und die nahegelegene Stadt bietet die Versorgung, die man braucht. Letzten Endes verbringen die Teilnehmer auf dem Wettbewerb auch ihren Urlaub bei uns und es scheint den Meisten hier ganz gut zu gefallen.
  • Wir haben glücklicherweise mit der Betreibergesellschaft einen Platzhalter, der unseren Sport unterstützt und dazu ein erfahrenes Ausrichterteam.
  • Der relativ offene Luftraum erlaubt es, Aufgaben in praktisch alle Richtungen zu legen. Wir können nach Osten, Westen, Norden und Süden fliegen und haben keinen großen Luftraum in unmittelbarer Nähe. Das ist sicher der spezielle Vorteil von Stendal als Austragungsort.
  • Auch wenn die Altmark eher der "Hidden-Champion" unter den Thermik-Rennstrecken ist, so ist die Thermik am Platz und in der unmittelbaren Umgebung selbst gut und die bevorzugten Gegenden wie Fläming, Mecklenburger Seenplatte und Lüneburger Heide liegen quasi vor der Haustür. Darüber hinaus ist die Altmark dank der südlich gelegenen Mittelgebirge eine relativ trockene Gegend - meistens jedenfalls (lacht).

Die Fragen stellte Christian Mannsbart

Weitere Infos zu den Deutschen Meisterschaften im Netz unter: https://www.segelflug-dm.de/

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