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Dachverband der deutschen Luftsportverbände Mitglied der Fédération Aéronautique Internationale und des Deutschen Olympischen Sportbundes

„Gemeinsam auf dem Treppchen stehen ist was ganz besonderes!“

Seit rund 16 Jahren nehmen Heike und Heinrich Sauels gemeinsam an nationalen und internationalen Wettbewerben im Motorkunstflug teil. Beide sind aus der kleinen aber feinen Szene nicht mehr wegzudenken. Heike Sauels sprach mit uns über sportliche Konkurrenz unter Eheleuten, gemeinsame sportliche Träume und die Zukunft der Sportart.

Heike und Heinrich Sauels während der Siegerehrung der Deutschen Meisterschaften im Motorkunstflug 2019.

Heike Sauels in ihrem Element. Foto: Steffen Mainka

Spektakuläre Figuren sind beim Motorkunstflug sportlicher Alltag.

Wie ist das als Ehepaar bei internationalen wie nationalen Wettbewerben mitzufliegen? Herrscht da Konkurrenz oder überwiegt die Freude, der gemeinsamen Leidenschaft „Motorkunstflug“ nachzugehen?

Es überwiegen die Freude und der Spaß, dass beide das Hobby mit dem gleichen Herzblut betreiben. Da wir uns auch gegenseitig trainieren, ist ein Erfolg des Anderen ja so auch immer etwas der Erfolg des Trainers! :)

Wie kommt es, dass Sie beide den gleichen Luftsport ausüben? Wie kamen Sie jeweils zum Motorkunstflug?

Ganz am Anfang war die Kunstflugausbildung als Flugsicherheitstraining gedacht.

Mein Mann hatte den PPL schon einige Jahre und ich war gerade in der Ausbildung, da hab ich ihm 1999 eine Woche Kunstflug in Vrchlabi (Tschechei) beim Acroteam aus Deutschland geschenkt. Danach hat er mich mal in einer gecharterten Zlin mitgenommen und es hat riesig Spaß gemacht. Nach einem Mitflug in einer Pitts war für uns beide klar, dass wir gerne mal selber so ein Flugzeug haben wollten.

Meine Kunstflugausbildung habe ich dann später ebenfalls beim Acroteam gemacht, als ich die benötigten Flugstunden gesammelt hatte. Aber so richtig mit dem Kunstflugvirus infiziert haben wir uns, als wir mit dem Wettbewerbsfliegen angefangen haben.

Wann haben Sie zum ersten Mal gemeinsam an einem Wettbewerb teilgenommen und können Sie sich noch gut daran erinnern?

Der erste Wettbewerb war dann die Deutsch-Tschechische Meisterschaft 2003 in Most (CZ) in der untersten Kategorie Sportsman mit einer Extra 300. Bei den Tschechen wurden damals weit schwierigere Figuren in Sportsman geflogen als es regulär in Deutschland üblich war, daher haben wir dort unter anderem direkt im Wettbewerbsmodus unseren ersten 270’-Kreis mit 60’ bank in Rückenlage fliegen dürfen.

Die ganze Nacht haben wir gegrübelt, wie man sich orientiert und wohin man lenken muss...

Auf jeden Fall war es eine tolle Erfahrung wie herzlich man bei den Kunstfliegern aufgenommen wird, auch als absoluter Neuling. Die Hilfsbereitschaft ist riesig, das gilt auch heute noch, in der obersten Klasse Unlimited (UNL). Selbst bei der WM werden untereinander Tipps gegeben und meistens auch Tricks verraten.

2006 haben wir den ersten internationalen Wettbewerb in Advanced geflogen. Seit 2008 sind wir in der UNL-Mannschaft.

Gibt es einen sportlichen Traum, den Sie sich gemeinsam gerne erfüllen würden? Oder schon alles erlebt und gesehen?

In diesem Jahr wurde mein Mann Deutscher Freestyle Meister und ich Vize; auf dem Treppchen zu stehen ist immer toll, aber gemeinsam auf dem Treppchen zu stehen ist etwas ganz besonderes! Das würden wir gerne auch nochmal im klassischen Kunstflug erleben - in anderer Rollenverteilung wäre nicht schlimm. (lacht)

Was würden Sie sich für die Sportart Motorkunstflug in Zukunft wünschen?

Wie in vielen anderen Sportarten auch, fehlt es an Nachwuchs. Es gibt einige wenige Flugschulen, die ausbilden und auch Wettbewerbstraining sowie Vercharterung anbieten, man müsste also nicht zwangsläufig ein eigenes Kunstflugzeug besitzen, aber die Zahl der Nachwuchspiloten, die sich am Ende bis in die obere Klasse Unlimited „durchbeißen“ ist sehr gering. Ich würde mir wünschen, dass sich mehr Piloten auf diesen Weg machen und gerne auch mehr Frauen. Die Arbeit, Zeit und natürlich auch der finanzielle Aufwand sind enorm, aber es lohnt sich so sehr!