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Dachverband der deutschen Luftsportverbände Mitglied der Fédération Aéronautique Internationale und des Deutschen Olympischen Sportbundes

Fliegen auf der Achterbahn – die erste WM in der Klasse F3U in Shenzhen

Matthias Möbius, Manager des deutschen Teams, war auf den  ersten  FAI  World Drone Racing Championships in Shenzhen, China. Hier sein Bericht:

Viele Weltmeisterschaften im Modellsport werden lange oder für immer im Gedächtnis bleiben. Sicher wird die im FPV Racing in Shenzhen 2018 dazu gehören und das nicht aus dem Grund, dass sie die erste in dieser Klasse war. Was in China an Organisation, Technik, Manpower und nicht zuletzt finanzielles Engagement auf die Beine gestellt wurde, hatte allein Weltklasseformat. Der DAeC hatte eine komplette Mannschaft gemeldet, bestehend aus Daniela Seel, Adam Pyschny, Patrick Gantner, Sven Claar und dem Junior Justin Meier. Sie stellten sich einem Teilnehmerfeld von 128 Startern aus 34 Ländern.

Interessant ist, dass sich in diesem Feld 44 Junioren und 13 Frauen befanden. 10 % Frauenanteil scheint wenig, allerdings träumen andere Modellsportarten von einer solchen Marge. Hier gilt es in Zukunft allgemein neue Wege zu beschreiten und über einen festgeschriebenen Platz für Frauen auch in anderen Klassen nachzudenken. Der Track wurde gegenüber der Generalprobe im Mai nochmals vollkommen umgestellt und glich mit den Traversen aus Kunststoffrohren einer Achterbahn mit 650m Länge pro Runde, die die Schnellsten mit ca. 100 km/h durchflogen.

Die Anlage konnte sowohl tagsüber als auch in der Dunkelheit genutzt werden, denn ca. 7 km LED Leuchtband erzeugten ein phantastisches Lichtbild. Entsprechend begannen die Rennen täglich gegen 9 Uhr und endeten teilweise erst 23 Uhr. Ein großes Kompliment unserer Vertreterin im FAI Schiedsrichterteam Angelika Möbius, die am Kontrollbildschirm oft einen 12-Stundentag hatte. Weltmeisterschaften sind natürlich immer Standortbestimmungen und da stehen wir gar nicht so schlecht. 

Daniela Seel verpasste mit dem 5. Platz unter den Frauen nur knapp das Finale und verdient unseren absoluten Respekt! Justin Meier flog hervorragende Rennen und hätte sich noch weiter vorn platziert, wenn nicht ein Crash mit einem anderen Modell alle Träume zerstört hätte. Trotzdem kann er sich bei diesem hochklassigen Feld über Platz 28 in der Gesamtwertung und Platz 14 unter 44 Junioren freuen und war damit der beste deutsche Vertreter. Aus unserer Sicht eine sehr gute Leistung aller deutschen Teilnehmer, wenn man die Leistungsdichte dieses Feldes betrachtet und weiß, dass zum Siegen in dieser Klasse auch ein Quäntchen Glück gehört. Mit dessen Fehlen ging es Daniela und Justin nicht allein so – der hochgehandelte Favorit Killian Rousseau aus Frankreich wurde im Achtelfinale „abgeschossen“ und begrub alle Hoffnungen. Ähnlich ging es Wanraja Wannapong aus Thailand, die sich allerdings noch für das Frauenfinale qualifizieren konnte und dort verdient Weltmeisterin wurde.

Das absolute Highlight war allerdings das Übertragungsverfahren, das DJI der Weltöffentlichkeit erstmalig präsentiert. Ich habe noch nie solche HD Bilder aus der Copterperspektive auf einem Großbildschirm im Stadion gesehen. Das ganze wurde im typisch amerikanischen Format präsentiert mit viel Rauch und Action und via Life Stream in die ganze Welt übertragen. Wer bisher FPV-Rennen nur mit dem Kontrollbildschirm verfolgen konnte, legte diesen schnell weg und starrte gebannt auf die Videowand.

Das Teilnehmerfeld wurde in diesem Jahr nicht wie erwartet von Frankreich und den asiatischen Staaten dominiert, der absolute Abräumer war Australien. Rudi Browning wurde als Junior Weltmeister bei den Senioren, belegte den dritten Platz bei den Junioren und legte damit den Grundstein für den Gesamtsieg der australischen Mannschaft. Neuer Juniorenweltmeister wurde Oscar Nilsson aus Schweden.

Flankiert wurde die Weltmeisterschaft von einer unvergesslichen Eröffnungsshow und einer tollen Abschlussveranstaltung. Da flogen Ballons mit Artistinnen durch das Stadion, demonstrierten chinesische Modellflieger ihr Weltklasseformat und schließlich überflogen ca. 400 Drohnen das Stadion und zauberten Bilder an den Himmel von Shenzhen. Es wird gemunkelt, dass Shenzhen auch die nächsten Weltmeisterschaften ausrichten wird – ich glaube, etwas Besseres kann uns nicht passieren.

Bilder sind auf www.modellflugimdaec.de veröffentlicht.