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Dachverband der deutschen Luftsportverbände Mitglied der Fédération Aéronautique Internationale und des Deutschen Olympischen Sportbundes

„Es ist nicht immer einfach, aber Sicherheit geht vor“

Christoph Barniske lebt sein Ehrenamt für den Luftsport täglich: Er ist sportlicher Leiter der anstehenden Segelflug Weltmeisterschaften in Stendal. Wir sprachen mit ihm über Herausforderungen, Aufgaben und Erwartungen.

Christoph Barniske ist sportlicher Leiter der Segelflug WM in Stendal. Foto: Christian Mannsbart

Was ist Deine Aufgabe als sportlicher Leiter während der Segelflug WM in Stendal?

Ich erstelle in Zusammenarbeit mit den Meteorologen die Tagesaufgaben, führe den sportlichen Teil der Briefings durch und gebe abends die vom Auswerter erstellten Wertungen frei. Ich habe auch die Aufgabe, die Kommunikation mit den Team-Captains sicherzustellen und falls nötig die Aufgaben anzupassen. Bei kniffligem Wetter muss ich die Balance zwischen sportlichem Anspruch und Sicherheit finden. Das ist nicht immer einfach, aber im Zweifel geht die Sicherheit vor. Sollte es Einsprüche geben, berate ich mich mit unserem Wettbewerbsleiter Henning Schulte, Präsident des Luftsportverbandes Sachsen-Anhalt, wie wir damit umgehen.

Wie steht es mit den Vorbereitungen?

Bei einer Weltmeisterschaft gibt es im Vergleich zu einer Deutschen Meisterschaft mehr vorzubereiten. Das Rahmenprogramm ist umfangreicher, wir müssen uns darum kümmern, dass alle Teilnehmer hier auch fliegen dürfen, das Regelwerk muss mit dem internationalen Verband abgestimmt werden und auch in puncto Sponsoring gibt es mehr zu tun. Dazu braucht man als Verein kompetente Unterstützung, die organisiert werden will. Da wäre beispielsweise die Eröffnungszeremonie. Erfreulich für uns ist, dass sich hier die Stadt Stendal engagiert und uns dabei unterstützt.

Ein weiteres Thema ist die Koordination mit den verschiedenen Behörden. Die Zusammenarbeit mit der Landesluftfahrbehörde in Sachsen-Anhalt klappt sehr gut, aber bei Bundesbehörden sind wir auf die Unterstützung der Verbände angewiesen um an die richtigen Kontakte zu gelangen. Hierbei helfen uns die Bundeskommission Segelflug und der DAeC sowie der Deutsche Segelflug Verband.

Beim Regelwerk, den Local-Procedures, sind wir schon sehr weit gekommen. Allerdings wertet die FAI Gliding Commission (IGC) beim Tracking-Thema noch die Erkenntnisse von der Frauen-WM in Australien aus. Das lief nicht optimal und wir müssen die gewonnenen Erkenntnisse auch berücksichtigen. Bei den Vorbereitungen vor Ort am Flugplatz sind wir gut unterwegs. Im letzten Jahr hat unsere Landebahn wegen der Trockenheit sehr gelitten, aber im Herbst konnten wir noch einmal neu ansäen. Jetzt sieht alles gut aus.

Welche Erfahrungen aus den Offenen Deutschen Meisterschaften 2019 waren für die Organisation eines solchen Events besonders wertvoll?

Die internationalen Teilnehmer sind wettbewerbserfahren, aber trotzdem werden von Land zu Land manche Dinge unterschiedlich gehandhabt. Da ist es wichtig, dass man klar und verständlich kommuniziert, wie die Abläufe beim Wettbewerb funktionieren sollen. In dem Punkt haben wir in 2019 wichtige Erfahrungen gesammelt. Das konnten wir in die Local Procedures für die WM mit einfließen lassen. Gut war auch, dass wir den Event-Marker-Abflug testen konnten. Wir wollen das Verfahren auch während der WM anwenden und sind gerade im Austausch mit der IGC dazu.

Was wünschst Du Dir für die WM?

Zu allererst wünsche ich mir, dass alles sicher abläuft. Als zweites wünsche ich mir gutes Wetter! Dann haben alle haben mehr Spaß an der Sache und ich habe weniger Stress. Als drittes wünsche ich mir, dass es uns gelingt die nicht fliegende Öffentlichkeit einzubeziehen. Wenn wir ehrlich sind, richten sich doch Dinge wie Live-Tracking eher an die Segelflieger. Die wissen doch schon, wie Segelfliegen funktioniert. Wir wollen aber erreichen, dass auch Außenstehende mehr über unseren Sport erfahren. Wenn daher nach der WM ein paar Besucher mehr auf den Segelflugplätzen auftauchen und sich dafür interessieren, dann wäre das eine gute Sache.