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Dachverband der deutschen Luftsportverbände Mitglied der Fédération Aéronautique Internationale und des Deutschen Olympischen Sportbundes

"Den Entscheidern viel mehr auf dem Schoß sitzen"

Mit Stefan Klett hat die DAeC-Delegiertenversammlung am vergangenen Freitag in einer außerordentlichen Sitzung einen erfahrenen und versierten Verbandspolitiker zum neuen Präsidenten gewählt. Wir sprachen mit Stefan Klett über seinen Werdegang und wo er die zentralen Punkte des neuen Amtes sieht.

Der neue DAeC-Präsident Stefan Klett wird sein Amt als Präsident des AEROCLUB | NRW e.V. nach mehr als elf Jahren vorzeitig im November niederlegen. Er ist seit 2008 beim Landessportbund NRW Vizepräsident Finanzen. Als SPL und EU-FCL PPL – A Inhaber ist Stefan Klett fliegerisch seit 38 Jahren im oberbergischen Luftsportverein Wipperfürth e.V. beheimatet. Er ist seit 21 Jahren verheiratet und hat zwei erwachsene Töchter.

Herr Klett, hätten Sie sich einen solchen Moment träumen lassen, als Sie 1981 in den DAeC eingetreten sind?


Natürlich nicht, als 14 – Jähriger wollte ich so viel wie möglich im Segelflugzeug sitzen und mit der Ausbildung vorankommen bzw. die Faszination des (Allein) – Fliegens genießen. Wie heute träumt man vielleicht davon, einmal Lufthansa- oder Bundeswehrpilot zu werden – aber man interessiert sich nicht für Verbandsstrukturen. Das kommt später, wenn man vielleicht als D-Kader Pilot davon erstmals profitiert.

In der Tat habe ich mich aber sehr früh in der Jugendarbeit engagiert – erst im Verein, dann in der LSJ im Landesverband NRW, wurde 1991 mit 24 Jahren jüngster Vizepräsident, 2008 mit 41 Jahren jüngster LV – Präsident und nun mit 51 Jahren jüngster DAeC Präsident. Also, was meine Bereitschaft zum ehrenamtlichen Engagement angeht, bin ich mir immer treu geblieben und deswegen fördere ich auch junge Leute im Ehrenamt, denn sie bringen frische Ideen mit ein. Auch im DAeC müssen wir die Jugend noch viel mehr pushen!

Welche Ziele haben Sie sich für das neue Amt gesteckt?


Nun, zunächst werde ich in enger Abstimmung mit dem Vorstand und der Bundesgeschäftsstelle eine Bestandsaufnahme aus meiner neuen Innensicht machen und diese mit meinen in der Bewerbungsrede genannten internen und externen Herausforderungen abgleichen. Intern ist dringend eine Verbesserung der Kommunikation zwischen Bundesverband und allen Mitgliedsverbänden, den Bundeskommissionen, den Bundesausschüssen und der Jugend nötig.

Hier gilt es wieder für mehr gegenseitiges Verständnis und Wissen voneinander zu werben, Vertrauen zu schaffen und alle Luftsportarten als eine Solidargemeinschaft zu verstehen. Mit einer solchen Solidarität schaffen wir es dann auch die externen Kernaufgaben und Schnittmengen zu bearbeiten – und das ist das, was unsere Mitglieder auf den Fluggeländen interessiert: Dass wir uns als Dachverbände (sportlich und regional) für sie einsetzen und unser Handeln vor Ort Wirkung zeigt.  

Es geht darum unseren Luftraum zu sichern – möglichst zu erweitern, Konzepte für Flugsicherheit zu entwickeln, Fördergelder nach neuen NOV – Kriterien zu generieren, überregionale Jugendarbeit im Geiste eines vereinten Europas, kontinuierliche Informations- – und Öffentlichkeitsarbeit, Schaffung eines sportpolitischen Bund – Länder Netzwerkes und ein klares Bekenntnis zu Umwelt – und Naturschutz. Dies alles erfordert einen maximalen Einsatz an Lobbyarbeit in Berlin, Braunschweig, Köln, Frankfurt und Brüssel – wir müssen den Entscheidern und „Rulemakern“ viel stärker auf dem Schoß sitzen und Türen öffnen – und wer mich und meine Arbeit kennt, weiß, dass ich da sehr nachhaltig bin und einen langen Atem habe.

Wo sehen Sie Unterschiede in der Politik auf Landesebene zur bundesweiten Verbandspolitik?


Also, das ist ja auch eine Frage der Struktur, denn im Landesverband ist man näher am Verein und damit näher am Mitglied dran. Beim Bundesverband ist die Vernetzung der Verbände untereinander für die Durchschlagskraft entscheidend, damit die Ergebnisse spürbar sind. Unsere derzeitige Satzung gibt uns dazu ausreichend Spielraum und ich habe vor meiner Wahl in Friedrichshafen gesagt, dass wir dicke Bretter bohren müssen und die sind auf Bundesebene halt noch etwas dicker als im Land. Dafür hat es den Vorteil, dass die Strahlkraft bei erfolgreichem Handeln höher ist, da möglichst alle Luftsportlerinnen und Luftsportler profitieren.

Nehmen sie das Beispiel Luftraum, Jugend, und alles, was ich in Frage zwei beantwortet habe. Gelingen uns hier Erfolge, können sie auch von den Landes – und Monoverbänden adaptiert werden. Ein weiterer Vorteil ist, dass wir dadurch mehr Synergien nutzen können und Doppelarbeit vermeiden. Wenn Sie so wollen, sind es also weniger die Unterschiede zwischen Bundes – und Landesebene, die mich anspornen, sondern viel mehr die Gemeinsamkeiten, die es zu finden gilt.

Welche Botschaft möchten Sie zu Beginn Ihrer Amtszeit den ehrenamtlichen Mitarbeitern, ja den rund 100.000 Piloten und Pilotinnen, die insgesamt im Verband organisiert sind, aber auch den hauptamtlichen Mitarbeitern mit auf den Weg geben?


Zunächst: Wir haben das schönste Hobby der Welt, für das sich jeder Einsatz lohnt und welches in Verbindung mit der dritten Dimension, Natur, Technik und Verantwortung auch heute überhaupt nichts an Faszination verloren hat – im Gegenteil: Entwicklungen wie E- Sport,  Drohnen, Elektromobilität, Part – M Light etc. können auch Chancen sein, die wir nutzen müssen.

Wir neigen in diesen hektischen Zeiten dazu, unsere schönen Erlebnisse manchmal als selbstverständlich anzusehen – und das ist gefährlich. Unsere Widerstände befinden sich außerhalb des Verbandes und hier brauchen wir unser Licht nicht unter den Scheffel zu stellen. Wir können selbstbewusst und mit guten Argumenten unsere Interessen vertreten, denn wir sind eine Gemeinschaft von hochverantwortlichen Luftsportlern, Luftraumnutzern und leisten in vielen Bereichen tolle Arbeit, im gesellschaftlichen und sportlichen Leben. Unsere Jugend lernt sehr früh teamorientiert mit komplexen und gleichzeitig verantwortungsvollen Situationen umzugehen, sensibilisiert für Natur und Technik – beste Voraussetzungen für die weitere Entwicklung. Wir sind einer der erfolgreichsten Sportverbände im DOSB und der stärkste Nutzer des Unteren Luftraums in Deutschland – also dürfen – ja müssen wir auch mitreden.

Insofern appelliere ich an jeden Aktiven, an jeden Ehrenamtler auf allen Ebenen und jeden hauptamtlich Beteiligten, in diesem Sinne,  für die Sache da zu sein und unseren Luftsport voller Überzeugung „zu leben“ – gemeinsam, vernetzt und jeden Tag aufs Neue angefixt von den faszinierenden Momenten in der Luft! Diese gemeinsame Aufgabe sehe ich auch in meinem persönlichen Engagement und mir ist noch wichtig zu sagen, dass ich für jede Anregung, jeden Kontakt und jeden Tipp ansprechbar und dankbar bin.