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Dachverband der deutschen Luftsportverbände Mitglied der Fédération Aéronautique Internationale und des Deutschen Olympischen Sportbundes

Abnahme von zwei Großmodellen auf dem Flugplatz Wilsche

Das vereint sie: Ein atemberaubendes Flugbild und Detailtreue – im Flug nicht vom Original zu unterscheiden. Auf dem Flugplatz im niedersächsischen Wilsche wurden vor kurzem zwei Großmodellen der Einzelstück-Zulassung unterzogen. Unser Großmodell-Prüfer Reinhard Schott berichtet.

Belastungstest der F-104

Die Helden des Tages

Erste Landung der F-104

Erste Landung der BAE Hawk

Mobiler Prüferarbeitsplatz

Bei bestem Sommerwetter bot sich folgendes Bild: Eine BAE Hawk Mk 66 im Maßstab 1:2,5 von Sebastian Bode und eine F-104 Starfighter im Maßstab 1:3 von Tassilo Bode. Dazu die beiden Halter der Modelle im Zustand zwischen Freude und Anspannung und ein schwitzender Prüfer. Auch der Leiter des Luftsportgerätebüros (LSGB), als zuständige Stelle für Einzelstück-Zulassungen im DAeC, Frank Einführer hat es sich nicht nehmen lassen, der Prüfung beizuwohnen.

Die Hawk in einer fantastischen, hochglänzenden Sonderlackierung hat eine Spannweite von 3,8 m, eine Rumpflänge von 4,5 m und eine max. Abflugmasse von 92 kg. Angetrieben wird sie von einer Turbine mit 550 N Schub und hat damit ausgewogene und sehr realistische Flugeigenschaften. Die gesamte eingesetzte technische Ausrüstung ist auf dem besten derzeitigen Stand und den Flugleistungen eines solchen Großmodelles angemessen.

Der Starfighter zeigt sich in der Lackierung einer Einsatzmaschine der Marineflieger, die schon etliche Flüge bei Wind und Wetter hinter sich gebracht hat. Äußerst realistisch sind Verwitterung, Abnutzung und Gebrauchsspuren imitiert und ziehen das Auge des Betrachters auf sich. Selbstverständlich ist das nur Imitation, denn auch diese Maschine ist in einem Topzustand und mit modernster Technik ausgerüstet.

Die Rumpflänge von 5,8 m bei einer Spannweite von nur 2,5 m und eine max. Abflugmasse von 73 kg bilden die imposante Erscheinung dieses Modells, welches ebenfalls von einer 550 N Turbine angetrieben wird. Zum Flugbild fällt einem da nur das Wort -atemberaubend- ein.

Eine Prüfung zur Einzelstück-Zulassung umfasst neben der Kontrolle der technischen Unterlagen und der eigentlichen technischen Abnahme auch die Erstellung eines Lärmmesszeugnisses und zwei Prüfungsflüge. Dabei wird ein dem Flugzeugtyp entsprechendes Flugprogramm geflogen und das Verhalten des Fluggerätes bei bestimmten Flugzuständen wie z.B. Schnellflug und Abrissverhalten geprüft. Ebenso werden die zuvor durch statische Belastung simulierten Lastvielfachen nachgeflogen.       

Natürlich sind es immer diese Prüfungsflüge, die den Höhepunkt jeder Abnahme bilden und alle Anwesenden faszinieren. Auch an diesem Tag begeisterten uns die so unterschiedlichen Modelle mit ihrer jeweils eigenen Performance.                                                                 

Nach der bestandenen Prüfung erfolgt dann die Erstellung der Lebenslaufakte durch den Prüfer und die Erteilung der Betriebserlaubnis durch das LSGB.

Seit über 20 Jahren hat das LSGB des DAeC die Beauftragung zur Prüfung von Flugmodellen über 25 kg und bis 150 kg. In dieser Zeit haben die Prüfer des DAeC mehrere hundert Großmodelle einer Einzelstückprüfung unterzogen und erfolgreich zugelassen. Das Aufgabengebiet des LSGB umfasst in aller erster Linie die Luftsportgeräte vom Fallschirm bis zum Ultraleichtflugzeug, von der Technik bis zum Luftfahrtpersonal. Wenn dann, trotz reichlich Arbeit auf den zu wenigen Schreibtischen, immer ein offenes Ohr sowie Rat und Tat für die Großmodeller da sind, ist ein hörbares „Danke“ ganz sicher angebracht.

Das heute bereits Registriernummern des 400er Blocks vergeben werden, ist zu gleichen Teile der Arbeit der Prüfer vor Ort und der des Personals des LSGB zu verdanken. Daher nutze ich gerne diese Gelegenheit um im Namen der Prüfer ein ganz herzliches Dankeschön für die schnelle und engagierte Arbeit des Büros für die Modellflieger zu sagen.

Am Ende des arbeitsreichen, aber sehr erfolgreichen Tages, schlüpften beide, nun sichtbar erleichterten Großmodell-Halter in die Rolle der Gastgeber und bewirteten alle Anwesenden mit Leckerem vom Grill und reichlich kühlen Getränken.

Zum guten Schluss noch zwei Anmerkungen:

Nein, es ist nicht richtig, dass der Leiter des LSGB aufgrund der miterlebten Gastfreundschaft nun selbst als Prüfer für Großmodelle tätig sein wird.

Ja, es ist richtig, dass die Prüfung zur Einzelstück- oder Musterzulassung von Flugmodellen über 25 kg ein anspruchsvoller und ernsthafter Vorgang ist, auch wenn er in diesem Bericht locker und launig beschrieben wurde.

Text: Reinhard Schott