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02.11.2016 Allgemein, Segel- & Motorsegelflug

Mitgliederversammlung Segelflug

Die Palette der Themen war breit, die Atmosphäre konstruktiv: Auf der Mitgliederversammlung der Bundeskommission Segelflug in Berlin am 28. Oktober ging es unter anderem um die Umstrukturierung des Sportreferats, das Wettbewerbsjahr und den Zusammenhalt.

Jan Braune vom Büro der Bundeskommission Segelflug, Walter Eisele, Buko-Vorsitzender, Uli Gmelin, stellvertretender Buko-Vorsitzender, und Rudolf Baucke, ebenfalls stellvertretender Buko-Vorsitzender.

Gleich zu Beginn gab es eine Erfolgsmeldung – wenn auch mit einem Augenzwinkern vorgetragen: Es sei die erste Sitzung in 25 Jahren, die pünktlich starte, sagte Walter Eisele. Der Vorsitzende der Bundeskommission Segelflug unternahm anschließend einen Streifzug durch die Themen, die die Buko in diesem Jahr beschäftigt haben. Eine grundsätzliche Problematik sei, dass der Luftsport kaum noch Luft zum Atmen habe – wegen immer mehr konkurrierenden Luftraumnutzungen. Große Sorgen mache ihm in diesem Zusammenhang das Drohnen-Problem. „Das ist existenzbedrohend.“ Heute gebe es einen „unbeschreiblich großen Herstellermarkt“ und immer mehr Interesse an einer gewerblichen Nutzung der Multicopter. Die Folge: Der gesamte Luftsport hänge am Tropf und müsse zusammenarbeiten. Wenig hilfreich sei auch die Entwicklung in Sachen DSV: „Die Verselbstständigung einer Sparte ist keine Lösung, die zu mehr Gehör führt.“  Stattdessen bedrohe sie den DAeC. „Weder Landesverbände noch der Dachverband überleben eine Abspaltung.“ Der Buko-Vorsitzende sprach sich für die Beibehaltung der föderalen Struktur aus – und warb für mehr Einigkeit in den zentralen, luftsportübergreifenden Fragen. „In einer solchen Situation ist es besser, mit 200.000 Luftsportlern aufzutreten als mit 28.000 Segelfliegern.“ Zugleich brachte er seine Überzeugung zum Ausdruck, dass „wir in Deutschland die beste Luftraumarbeit in Europa haben“. 

DAeC-Präsident Wolfgang Müther betonte ebenfalls den großen Stellenwert verbandsinterner Einigkeit: „Wir müssen eine starke Gemeinschaft bilden - um nach außen politisch zu wirken. Und nach innen müssen wir fair sein.“ In Richtung Vorstand sprach er sein Lob aus: „Ihr habt wirklich gute Arbeit mit dem gesamten Team geleistet.“ 

Günter Forneck vom Referat Ausbildung und Lizenzen (RAL) brachte das Thema „Übersetzung des Fragenkatalogs“ auf den Tisch: Dass die EASA ein fast 1500-seitiges Werk nur in Englisch anbiete, sei unzumutbar – hier müsse eine Lösung her. Solange es die nicht gebe, könne der DAeC keinen aktualisierten Fragenkatalog anbieten. Zu den jüngsten Planungen des RAL erklärte Forneck, die Luftsportjugend solle künftig in die Arbeit einbezogen werden. „Unsere Zielgruppe besteht fast ausschließlich aus Jugendlichen. Und es werden nicht immer mehr Segelflieger ausgebildet, sondern immer weniger.“ 

Weitgehend einig waren sich die Versammlungsteilnehmer, dass die von der EASA in Aussicht gestellten Declared Training Organisations (DTO) die Regeln für die Ausbildung von Segelfliegern erheblich erleichtern könnten. Hier müsse lobbyiert werden, dass dieses System gut und vernünftig ist. 

Das Referat Sport will – nach einer Restrukturierung, die unter anderem Überschneidungen bei den Zuständigkeiten verringern soll – unter anderem künftig selber über die Vergabe der Deutschen Meisterschaft entscheiden. Sport-Referent Uli Gmelin sprach in diesem Zusammenhang auch den Mitgliederschwund an. Ein „nicht unerheblicher Teil davon“ liege darin begründet, dass „Segelflieger nach dem Schein allein gelassen werden“. Abhilfe könne hier eine neue Trainingskonzeption schaffen, „die tief, tief runter geht“. Und: Die Segelflugwettbewerbsordnung solle sich künftig mehr an den internationalen Regeln orientieren, logischer und schlanker werden. „Aber bei einer deutschen Idee, die Sinn macht, müssen wir die in die SWO aufnehmen können.“ Ebenfalls wichtig sei es, die DMSt zu modernisieren. 

Wolfgang Beyer blickte bei der Mitgliederversammlung auf sein erstes Jahr als Bundestrainer zurück: Noch 2015 sei die Rede von „signifikanten Rückständen zur Weltspitze“ gewesen. „Wir wollten das aufholen und haben uns Gedanken gemacht.“  Offenbar waren es die richtigen: Beyer weitete den Trainingsfokus, nahm die Fähigkeiten, Defizite und Bedürfnisse der Sportler in den Blick und beschränkte sich nicht auf reines Segelflieger-Coaching. Das Ergebnis sind zahlreiche Erfolge auf nationaler und internationaler Ebene, unter anderem der Weltmeistertitel in der Clubklasse, den sich Jan Rothhardt geholt hat. Gegenwärtig würden weitere Trainingskonzepte entwickelt, sagte Beyer – mit dem Ziel einer „Rahmentrainingskonzeption“.

Eine frohe Botschaft – „die eigentlich keine ist“, verkündete Sporthilfe-Beauftragte Christine Grote: Segelflieger im Bereich Streckenflug können wieder gefördert werden; die Förderung fällt indes weit geringer aus als einst. „Statt 37000 Euro gibt es 3000 bis 6000 Euro.“ Enttäuscht sei sie auch von dem Verhalten der Deutschen Sporthilfe, sagte Grote: „Es hat sich gezeigt, dass wir nicht zu den Prioritäten im Tagesgeschäft gehören.“ Eher per Zufall habe sie erfahren, dass eine Sportlerin die Förderung erhält. „Und bei Nichtförderung gab es noch nicht einmal Absagen.“ DAeC-Schatzmeisterin Sigrid Berner schlug vor, das Gespräch mit dem Geschäftsführer der Deutschen Sporthilfe zu suchen und erntete dafür Applaus.

Als die neuen Mitarbeiter der Bundesgeschäftsstelle wurden Hagen Eichler (Redakteur Presse- und Öffentlichkeitsarbeit) und Jürgen Kubicki (Referent Luftraum, Flugbetrieb und Flugsicherheit) vorgestellt. Umwelt-Referentin Denise Kluge referierte zu dem DAeC-Projekt „Klimaschonend Fliegen“, bei dem zwei Vereine mit Mischbetrieb sich bei ihrem Engagement für mehr Klimaschutz zuschauen lassen und im Gegenzug einen Öko-Check erhalten. Kluge erinnerte zudem daran, sich zeitnah über die neuesten Planungen von TenneT und TransnetBW in Sachen Erdverkabelung zu informieren. 

Für Gesprächsstoff sorgte ein „Antrag auf Diskussion und Abstimmung über die Aufnahme des Deutschen Segelflugverbandes in den DAeC im Falle eines Aufnahmeantrags“. Damit sollte die Frage geklärt werden, ob der Vorstand der Bundeskommission im Falle eines Aufnahmeantrages allein darüber entscheiden darf. Eisele beantwortete das deutlich: „Wir trauen uns das zu.“ In dieser Einschätzung wurde er von der Versammlung bestätigt. 

Einstimmig entlastet wurde der Vorstand für das Haushaltsjahr 2015. Außerdem wurde der Nachtragshaushalt 2016 genehmigt, der Haushalt für 2017 wurde beschlossen. Der Ort für die nächste Mitgliederversammlung ist voraussichtlich Hagen.