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24.08.2016 Allgemein, Segel- & Motorsegelflug

Nachruf auf Fred Weinholtz

Das Segelfliegen war für ihn mehr als ein Hobby - es war seine große Leidenschaft. Fred Weinholtz gehörte zu den kompetentesten und engagiertesten Funktionären des Segelfluges. Am Sonntag, 21. August, ist er im Alter von 90 Jahren gestorben.

Am 3. Juni 1926 wird Fred Weinholtz in Genthin geboren. Die Liebe zum Fliegen erwacht bereits im Kindesalter: Als Siebenjähriger probiert er sich im Modellfliegen aus. Mit 14 Jahren sitzt er zum ersten Mal hinter dem Steuerknüppel eines Segelflugzeugs. Dann bricht der Zweite Weltkrieg aus – die Fliegerei wird ihrer Unschuld beraubt, Weinholtz eingezogen und als Motorflieger ausgebildet. Bei der Luftwaffe kommt er nicht zum Einsatz, stattdessen muss er zur Infanterie. Als sich der Krieg dem Ende neigt, gerät er in Österreich in amerikanische Gefangenschaft – aus der ihm 1946 die Flucht gelingt. Sie führt ihn zunächst nach Potsdam und schließlich nach Herford, wo er Volksschullehrer wird und seine neue Heimat findet.

Den Segelflug hat Weinholtz nicht vergessen – der Sport ist zu diesem Zeitpunkt aber noch verboten. Als sich das ändert, stürzt sich der umtriebige Mann in seine alte Passion. 1950 wird die IG Segelflug in Herford gegründet, die später zum Herforder Verein für Luftfahrt wird. Mit viel Organisationstalent und Engagement arbeitet sich Weinholtz bis zum 1. Vorsitzenden hoch. 1955 beginnt er, seine Kenntnisse über den Segelflug an Vereinsmitglieder weiterzugeben. Er ist nun gleich zweifach Lehrer: an der Volksschule und im Segelflug.

Für zwei Jahrzehnte bekleidet der Pilot, Lehrer und Funktionär ab 1965 das Amt des Vorsitzenden der Segelflugschule Oerlinghausen. Gemeinsam mit Pelle Öberg arbeitet er in den 60er-Jahren daran, die Club-Klasse als neue Wettbewerbsklasse zu etablieren. Was ihm trotz erheblicher Widerstände aus der damaligen Segelflugkommission gelingt. Ein weiterer Meilenstein in dieser Zeit: Weinholtz‘ Buch „Grundtheorie des modernen Streckenflugs“. 1967 veröffentlicht, wird das Werk bald zum Bestseller und in mehrere Sprachen übersetzt.

1967 tritt Weinholtz auch der DAeC-Segelflugkommission bei, ab 1973 ist er neun Jahre ihr Vorsitzender. In dieser Zeit begleitet er fünf Weltmeisterschaften; 1981 reist er gar als Direktor der Segelflug-WM nach Paderborn.

Weinholtz treiben indes nicht nur Theorie und Praxis des Segelflugs um – er kämpft auch für politische Ideale. Er setzt sich für den Frauen-Segelflug ein, ruft eine Frauen-Klasse ins Leben und organisiert den ersten deutschen Frauen-Segelflug-Wettbewerb in Kassel-Calden. 1972 betritt der Wahl-Herforder dann das internationale Parkett: zunächst als Mitglied der Internationalen Segelflugkommission (IGC), sechs Jahre als Vizepräsident, ab 1987 als deren Sekretär. Auch auf nationaler Ebene bleibt er politisch aktiv. Als 1985 im Bundestag die Parlamentarische Gruppe Luftfahrt ins Leben gerufen wird, gehört Weinholtz zu ihren Gründern. Die Gruppe wird zu einem wichtigen politischen Sprachrohr für Luftsportler. Weinholtz engagiert sich außerdem in der Schliecker-Kommission, bei der die Luftraumstruktur für Deutschland erarbeitet und angepasst wird.  Es gelingt ihm, Freiräume für den Segelflug zu schaffen, die noch heute ihre Gültigkeit haben.

Das Amt des IGC-Sekretärs habe er mit der ihm eigenen „akribischen Aufmerksamkeit für jedes Detail“ ausgeführt, erinnert sich John Roake, damaliger IGC-Vizepräsident. Nach seinem Rücktritt im Jahr 1997 wird Weinholtz zum „Ehrensekretär“ ernannt.

Später engagiert er sich in der Traditionsgemeinschaft der Alten Adler, 2004 rückt er in den Vorstand auf, 2009 wird er zum Ehrenmitglied gewählt. Über mehrere Jahre ist er auch im Vorstand des Deutschen Segelflugmuseums aktiv.

Insgesamt 14 Welt- und Europameisterschaften betreut der Segelflug-Enthusiast im Auftrag der Internationalen Segelflugkommission. Bis zuletzt ist Weinholtz, seines Zeichens Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande und der Lilienthal-Medaille der FAI , ehrenamtlich für den Segelflug aktiv. Die Liste der Auszeichnungen ließe sich noch lange fortsetzen.

Trotz seiner vielen Erfolge galt Fred Weinholtz zeitlebens als bescheidener, um das Wohl anderer besorgter Mensch. Der frühere DAeC-Präsident Wolfgang Weinreich sagt über seinen Freund: „Er war ein unheimlich toller Kamerad, der sich für den Segelflug aufgeopfert hat. Wir sind alle sehr traurig.“ Weinholtz selbst war vor allem dankbar – für ein schönes Leben und dafür, in eine Zeit hineingeboren zu sein, „in der die Welt eine derartige Leistungsexplosion in der Luftfahrt erlebte“.